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einen Palast erbauen ließ. Als das mit einem Graben nmzogene königliche Wasserschloß
fertig war, verweilte Sigismnnd sehr häufig in dem traulichen Städtchen. Im Jahre 1412
brachte er den Polenkönig Wladislaw als Gast mit. Von 1423 an wohnte er noch
drei Jahre lang ununterbrochen, mit seinem ganzen Hofstaat, in Totis. Verhandlungen
über wichtige politische Dinge führten damals zahlreiche fremde Herrscher an den Hof
des Königs von Ungarn. Erich VIII., König von Skandinavien, der griechische Kaiser
Manuel Paläologus, mehrere deutsche Reichsfürsten, türkische Gesandtschaften, König
Tvartko von Bosnien, Ivan Lazarovies, Despot von Serbien und Andere hielten sich
längere Zeit da auf. Welch geräuschvolles Leben um diese Zeit in Totis geherrscht haben
mochte, ist leicht zu ermessen, wenn man bedenkt, mit welch ansehnlichem Gefolge die
ausländischen Herrscher erschienen. Nach einem Briefe Traverfari's, Führers der
päpstlichen Gesandtschaft, waren im Jahre 1434 nicht weniger als 5.000 Pferde in der
Stadt untergebracht. Man denke sich die Anzahl von Pferdewärtern, die dazu erforderlich
ist. Das bewegte Leben in Totis oder vielleicht der Wunsch des Königs bestimmte die
Stände des Komoruer und des Graner Comitats, von 1419 ab auch ihre Versammlungen
geeint dort abzuhalten. Auf diesen Versammlungen erschien auch König Sigismund,
oder ließ sich, wenn er nicht in Totis war, dabei vertreten.
Nach Sigismunds Tode gelangte Totis an die Familie Rozgonyi und das belebte
Treiben hörte völlig auf. Blos unter König Matthias' Regierung hatte die Stadt wieder
schönere Tage. Als nämlich der König sah, wie Burg und Stadt zu Grunde gingen,
erwarb er sie und ließ in der Burg einen neuen Palast erbauen, oder wohl auch nur —
was wahrscheinlicher ist — den Sigismnnd'scheu Palast wiederherstellen. Bonfinins,
Ranzanus und Erzbischof Niklas Oläh berichten Erstaunliches über die goldprangenden
Säle, prächtigen Wandelgänge und die ganze kunstreiche Ausstattung dieses Königspalastes.
(Siehe Seite 157 dieses Bandes.) Diese Baulichkeiten sind spurlos verschwunden, nur ihr
Ruhm ist geblieben, und nebenbei sind es einige wirklich schöne Sagen, die das Gedächtniß
des Königs Matthias in der Gegend von Totis lebendig erhalten. So die Sagen vom
Marienbrunnen und von der goldenen Ente. Nach der letzteren hätte das steinerne Rohr der
römischen Wasserleitung unterirdisch bis zur Paunonburg (Bregetiom) geführt, der große
König aber und seine Hofleute hätten sich damit belustigt, daß sie zu Totis eine holz-
geschnitzte, vergoldete Ente in das Rohr der Wasserleitung steckten und dann nach der Burg
zu O-Szöuy galoppirten, um dort zu warten, bis die goldene Ente herangeschwommen kam.
Mit dem Tode Matthias' war es auch mit der Glanzzeit von Totis vorbei. Nur
einmal noch kehrten die schönen Tage von einst wieder. Wladislaw II. zog sich wegen
der im Lande herrschenden Pest nach Totis zurück, wo er den Reichstag abhielt. Bei
dieser glänzenden Versammlung waren die Gesandten Venedigs, des Papstes, Polens,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch