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Szöny-Bruck eröffnet ist, beginnt die Stadt sich in bedeutenderem Maße zu entwickeln.
Ihr ungewöhnlicher Wasserreichthum macht sie sehr geeignet zum Fabriksbetrieb, doch
sind die Gaben der Natur noch lange nicht entsprechend ausgenützt. Die Gewässer von
Totis, die im Sommer und Winter eine ständige Temperatur von 16 Grad Reaumur
haben, treiben jetzt gegen 90 Mühlen, Säge- und Walkwerke.
Die Haupt-Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Burg mit dem Schloß. Das jetzige
Schloß wurde im Jahre 1815 durch Nikolaus Esterhäzy bewohnbar gemacht. Bei der
Renoviruug haben auch die schön gearbeiteten Gewölberippen aus der Benediktinerabtei
von Vertes-Szentkereszt im Weißenburger Comitat Verwendung gefunden. Sein nordöst-
licher Theil besitzt einen vierstöckigen stumpfen Thurm, im Übrigen ist die Burg zweistöckig.
Der Besitzer des Schlosses läßt soeben dessen Restanrirnng durchführen. Ein Theil der
schönen, mit Marmorrahmen versehenen Fenster ist bereits fertig. In diesem Gebäude ist
das reiche Familienarchiv untergebracht, auch befinden sich da die hochbedeutende Kupfer-
stichsammlung und eine werthvolle Bildergallerie, die sich auf fünf Säle erstreckt und
unter Anderem eine lebensgroße Zeichnung der Madonna, wie man glaubt, von Lionardo
da Vinci, enthält.
Vor diesem Schlosse wird zur Erinnerung an König Matthias und seine Jagd-
gesellschaft ein prachtvoller Brunnen, vom Bildhauer Strobl, aufgestellt werden.
Neben der Burg, nahe dem großen See, erhebt sich das gräfliche Schloß. Es ist
ein einfacher einstöckiger Bau im Barokstil, mit zwei Eckthürmen. In einem Gemach des
östlichen Thurmes hat König Franz am 14. October 1809 den Wiener Frieden unter-
schrieben. Das Zimmer befindet sich noch jetzt in dem damaligen Zustande. Ein herrlicher
Park umgibt das Schloß und gegenüber befinden sich der gräfliche Garten, eine gedeckte
Reitbahn und ein Maleratelier.
Das reizende kleine Theater ließ der jetzige Besitzer, Graf Nikolaus Esterhäzy, nach
dem Plane der bekannten Theater-Architekten Fellner und Helmer erbauen. Die glänzende
Ausstattung und die in den Jahren 1888 und 1889 durchgeführte vorzügliche Construction
machen es zu einem der schönsten Provinztheater des Landes. Der Plafond ist mit trefflichen
Gemälden von Mla Pällik geschmückt. Die Wände, Bogen und die Brüstung der Gallerie
sind elegant verziert. Das Parterre ist durch Marmor-Balustraden von den Cerclesitzen
und der gräflichen Loge getrennt. Das ganze Theater ist für elektrische Beleuchtung
eingerichtet. Bei den Vorstellungen werden dem geladenen Publikum Freiplätze zur
Verfügung gestellt, da der Graf die Kosten der Aufführungen gewöhnlich selbst bestreitet.
Im östlichen Theile von Toväros (— Seestadt) liegt der herrliche Schwanenhain,
260 Joch groß, in seiner Mitte blinkt der 30 Joch große Cseke-See. Laubengänge,
Tausende von seltenen Bäumen und Blumen, künstliche Wasserfälle, Grotten, Ruinen,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch