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krystallklare Quellen tragen zur Schönheit dieses sehenswerthen Parkes bei, der dem
Publikum frei zugänglich ist. Vom Park aus hat man eine reizende Aussicht auf die
benachbarten Waldberge und das Weingebirge von Baj. Jenseits des Parkes befindet sich
das bequem und elegant eingerichtete Badehaus, das gleichfalls durch den Grafen zum
Besten des Publikums errichtet wurde. Diesseits des großen See's liegt der Rennplatz,
einer der schönsten der Monarchie. All dies lockt Tausende von Fremden, besonders aber
von Bewohnern der Hauptstadt, nach Totis, wo sich ein angeregtes Sommerleben abspielt.
Auch Mitglieder des Herrscherhauses haben Totis wiederholt mit Besuchen beehrt.
Im Jahre 1809 hielt sich König Franz mit seiner ganzen Familie in Totis auf. Damals
starb im Pfarrhause Erzherzog Karl Ambrosius, Primas von Ungarn, im 24. Lebens-
jahre. In neuerer Zeit haben Seine Majestät der König nnd mehrere Erzherzoge die
Stadt und die gräfliche Familie durch ihren Besuch geehrt.
Eine Viertelstunde von Totis liegt das weingartenreiche Baj . Hier befindet sich jener
berühmte herrschaftliche Keller, in dem man unter Anderem ein Riesenfaß von 2159 Eimer
Gehalt sieht. Die daran geschlagenen eisernen Reifen haben ein Gewicht von 9580 Pfund.
Nahe bei Totis liegt, am westlichen Fuße des Vertes-Gebirges, in entzückender
Lage die Puszta Maj k. Zur Zeit der Ärpädeu blühte hier die nach der heiligen Jungfrau
benannte Propstei der Prämonstratenser. Ihre prächtige Domkirche war auch in fernen
Landen berühmt. Nach dem Eingehen der Propstei ließen sich hier die stummen Camal-
dnlensermönche nieder und erbauten im XVIII. Jahrhundert auf der Ruinenstätte ein
Kloster und eine Kirche im damaligen Barokstyl. Als unter Josef II. der Orden aufge-
hoben worden, wurde das Kloster zu Privatzwecken benützt. Eine Zeit lang war sogar
eine Tuchfabrik darin untergebracht. Seither ist die Kirche dem Ruin anheimgefallen und
ihre herrlich geschnitzte Einrichtung schmückt die griechisch-orientalische Kirche zu Komoru.
Der jetzige Besitzer der Puszta Majk, Graf Nikolaus Esterhäzy von Csäkvär, ließ das alte
Klostergebäude einigermaßen wiederherstellen. Jetzt dient es der Familie als beliebtes
Ausflugsziel.
Nördlich von Totis, am Ufer der Donau, liegt Neszmily. Hier ist der Ungarkönig
Albert gestorben. Die Neszmelyer Weine sind in ganz Europa geschätzt, doch hat die
Phylloxera die Weingärten arg geschädigt.Am Donau-User liegt auch das Dorf Uj-Szöny
(Edam), Station der Staatsbahn und Südbahn. Binnen kurzem wird es gesetzlich mit
Komorn vereinigt sein. In der Szönyer Gemarkung, vor dem Äeser Wald, bezeichnet eine
schöne gebrochene Säule deu Schauplatz von Arthur Görgei's Sieg im Jahre 1849 und
die Ruhestätte der gefallenen Honveds.
Das südöstlich von Szöny gelegene Äcs ist durch seine Zuckerfabrik, Bäbolna und
Kisber sind durch ihre Staatsgestüte berühmt.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch