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Kisber und Bäbolna.
Kisber hat eine verhältnißmäßig noch kurze Vergangenheit. Seine Majestät
verfügte mittels Allerhöchsten Handschreibens vom 8. Juli 1853, daß auf der den Grafen
Batthyauy coufiscirteu Herrschaft ein Militärgestüt gegründet werde, und die Domäne
wurde später, als 1869 das Gestüt ins Eigenthum des ungarischen Staates übernommen
wurde, der Familie um 1,700.000 Gulden abgelöst. Der vorgeschriebene Zweck war die
Zucht englischer Vollblutpferde und durch englisches Blut veredelten Halbbluts.
Um das Vollblut-Material zu erproben, erhielt das Gestüt von 1860 bis 1867
auch einen Rennstall nebst Trainiraustalt, allerdings mit sehr mäßigem Erfolge, so daß
sich vom Standpunkte des Nennwesens, besonders aber der Pferdezucht im ganzen Lande,
die im Jahre 1867 eingeführte und seither aufrechterhaltene Einrichtung nützlicher erwies,
die englischen Vollblutfohlen als Jährlinge an ungarische oder österreichische Staats-
bürger in öffentlicher Versteigerung hintanzugeben, unter der Verpflichtung, dieselben
nicht ohne Erlanbniß aus der Monarchie auszuführen.
Eine neue Epoche begann im Dasein des Gestüts, als es Ende 1869, bis zu welchem
Jahre es unter der Verwaltung des Militär-Ärars gestanden, der Leitung des Ackerbau-
ministeriums unterstellt wurde, wobei übrigens der Dienst im Gestüt fortgesetzt durch ein
militärisches Personale nach den Weisungen des genannten Ministeriums versehen wird.
Auf diese Neugestaltung, wie auf die der Pferdezucht im ganzen Lande, hat der gewesene
Ministerialrath Franz Kozma, als Chef der Abtheilung für Pferdezucht, während seiner
fast fünfundzwanzigjährigen Thätigkeit ungemein förderlich gewirkt. Mit ausgezeichneter
Fachkenntniß und starker Hand schied er aus dem Gestüt das nicht dahin gehörige Material
aus und entwickelte dagegen das übrig gebliebene zu einer so hohen Stufe, daß die
Nachkommen des englischen Vollblutschlages nicht nur zu Garantien der heute schon hoch
emporgeführten Vollblutzucht nnd des Rennwefens der Monarchie wurden, sondern der
ungarischen Zucht auch auf den Rennbahnen des Auslandes Achtung errangen. Anderseits
aber entwickelte sich neben dem Vollblutschlage ein, nahezu 200 Mutterstuten umfassender
hoher Halbblutschlag von englischem Blute, der gegenwärtig bereits die einheimische Zucht
mit den hervorragendsten Hengsten versieht nnd auch durch die Fachautoritäten des Aus-
landes, z. B. den Engländer Chaplin, ohueweiters als das erste englische Halbblutgestüt
der Welt anerkannt wird. Der Kern der englischen Vollblutzucht befindet sich in dem
ehemaligen ausgedehnten gräflichen Park. Ein interessanter Punkt des Parks ist der
malerisch gelegene Wenckheim-Hügel, ein Zeichen der Erinnerung an den gewesenen
Ministerpräsidenten Grafen Bela Wenckheim, der in Kisbir so viel für die Hebung der
Vollblutzucht gethan hat. Auf ebenem Felde wölbt sich ein Hügel, auf dem im Kreise
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch