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und mit sehr schönem, ertragsreichem Röhricht bedeckt ist. Der Fischfang ist kaum in
Anschlag zu bringen, desto größer jedoch der Reichthum an mannigfaltigem Wasserwild.
Dies ist vielleicht der Grund, warum die anrainendeu Grundbesitzer, die sich einer so
unvergleichlichen und hochergiebigen Wasserjagd erfreuen, keine Maßregeln zur Ent-
wässerung des Teiches ergreifen; sie begnügen sich mit der edlen Annehmlichkeit des
Waidwerks und dem schätzbaren, wenngleich verhältnißmäßig doch geringen Einkommen,
das sich aus dem Rohr ergibt. Das überschüssige Wasser des See's fließt in den Palatiual-
kanal, der, wie überhaupt für alle Gewässer des Comitats, auch für diesen See die Abfluß-
nnd dereinstige Ableitungsrichtung angibt.
Auch einige Mineralwässer hat das Comitat auszuweisen. Das Alaper Bitterwasser
gehört zu den vortrefflichsten Heilquellen, seine Wirkung ist milder als die anderer derartiger
Quellen und dies sichert ihm eine günstige Zukunft; doch beginnt es erst in neuerer Zeit
weitere Verbreitung zu gewinnen. Die Magnesiumquelle von Bodajk ist eine der ältesten
verwertheten Heilquellen des Landes und in anmuthiger, von Naturschönheiten umgebener
Gegend gelegen, doch fehlt es noch immer an Unternehmungsgeist, um ihr zu größerer
Bedeutung zu verhelfen. Zu allgemeiner Beliebtheit ist neuerdings der alkalische, kohlen-
säurereiche Mohaer Sauerbrunnen gelangt.
Die klimatischen Verhältnisse des Comitats unterscheiden sich kaum von den Eigen-
schaften der Hochflächen jenseits der Donau. Der nördliche und westliche Theil des
Comitats sind etwas kühler, während die den unteren Theil bildende Ebene mehr den
Charakter und das wärmere Klima des Alsöld aufweist; immerhin ist der Unterschied
zwischen beiden Theilen gering. Die Temperatur beträgt im Mittel 8 bis 9 Grad Celsius,
die mittlere Temperatur im Winter -l-1 Grad, im Sommer -4- 20, der Unterschied also
19 Grad Celsius. Der Niederschlag ist verhältnißmäßig gering, nur 600 Millimeter, die
landwirthschastlicheu Verhältnisse aber trotzdem auffallend günstig. Dies hat seinen Grund,
nebst dem Charakter und der Fachtüchtigkeit der Bevölkerung, wovon weiterhin uoch
eingehend die Rede sein soll, vor Allem darin, daß die Temperaturverhältnisse nicht zu
Extremen neigen, sondern einen constauteu Charakter zeigen. Jähe Übergänge und
Änderungen kommen selten vor, was wohl den orographischen Eigenthümlichkeiten des
Comitats zuzuschreiben ist. Schutz gegen die westlichen und nördlichen Winde und gegen
die Kälte bieten nicht nur die den Nordrand des Comitats umziehenden Gebirge, sondern
auch die wellige, hügelige Bodengestalt, die, mit Ausnahme des untersten Theiles, das
ganze Comitat charakterisirt und auf dem ganzen Comitatsgebiet die Veränderungen
von Wärme und Kälte, von Windrichtungen und Niederschlägen gleichsam symmetrisch
vertheilt. Dazu kommt noch die unvergleichliche Güte des Bodens. In den Gebirgen
finden sich wohl Kalkgestein und Granit, aus dem stellenweise Trachyt hervorbricht,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch