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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Volume 16
Page - 534 -
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534 Dem ist es hauptsächlich zuzuschreiben, daß das Volk des Weißenburger Comitats einen so entschiedenen und folgerichtigen, wenig zu Extremen neigenden, selbstbewußten, aber sanften Charakter hat, sowie daß seine Arbeit ausdauernd und erfolgreich ist. Mit gesundem Menschenverstand wahrt es seine Interessen, doch ist ihm selbstsüchtiger Krämer- geist fremd geblieben. Seine nationale Gesinnung ist stark, dabei jedoch schonend, er begegnet dem Fremden mit Zuvorkommenheit. Seiner sanften Gemüthsart entspricht es, daß die Religion und die religiös-sittlichen Gesichtspunkte consequent aufrechterhalten werden; dies macht ihn aber weder fanatisch, noch vorurtheilsvoll, und Andersgläubige finden hier stets Duldung, ja Achtung. Diese Eigenthümlichkeit und Charakterbildung hat übrigens auch geschichtliche Ursachen. Unter der Türkeicherrschast und in der darauf- folgenden Zeit hing das Volk größtentheils dem reformirten Bekenntniß an. Im vorigen Jahrhundert wurde die Bekehrung zum römisch-katholischen Glauben in diesem Comitate, wo die großen Domänen die Hauptförderer dieser geistlichen Rückeroberung waren, mit großem Eifer betrieben; auch war ihr Erfolg ein wahrhaft durchgreifender, allein trotzdem blieb, was mehr ist als bloße Duldung gegenüber Andersgläubigen, die Achtung vor jeder religiösen Überzeugung im Gemüthe dieses Volkes unausrottbar festgewurzelt. Gegenwärtig gibt es in dem Comitate etwa 148.000 Römisch-Katholische, 58.000 Evangelisch-Reformirte, 6000 Evangelische A. C., 8000 Juden und etwas über 1000 Griechisch-Nichtunirte. Die Bevölkerung des Weißenburger Comitates ist im Allgemeinen von fröhlichem Temperament; man singt und reimt gern; bei festlichen Zusammenkünften, auf Hochzeiten, Namensfesten, Kirchtagen werden altgewohnte gleichlautende Gelegenheitscarmina vorgetragen, wogegen keine Neigung herrscht, neue Lieder und Verse zu dichten, vielmehr lieber die Lieder und Verse anderer Gegenden herübergenommen werden. Selbst der guten Laune wird mit einer gewissen systematischen Consequenz Ausdruck verliehen. Neben den gewohnten souutäglicheu Wirthshausvergnügungen kommen kaum irgendwelche Stegreif-Unterhaltungen vor; dagegen erhält sich, auf engere Bekanntenkreise beschränkt, die Feier der Namenstage und des Schweineschlachtens. Herzhafter und allgemeiner wird die Lustbarkeit bei Hochzeiten, am zweiten Tage der Hauptkirchenfeste nnd bei Kirchweihfesten. In älterer Zeit wurden besonders die Hochzeiten mit viel fröhlichem Getöse gefeiert, so daß sogar die Obrigkeit sich bewogen fühlte, durch Verbote die Hochzeitsgelage einzuschränken. Die Synoden der reformirten Kirche erließen zahlreiche und sehr ins Einzelne gehende Verfügungen, die auf Eindämmung der hochzeitlichen Lustbarkeiten abzielten. Heute bedarf es dergleichen nicht mehr, aber auch jetzt noch feiert man die Hochzeiten, ohne Unterschied der Eonfesfion, nicht nur im ohnehin breiten Kreise der
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Volume 16
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Ungarn (4)
Volume
16
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1896
Language
German
License
PD
Size
15.18 x 21.71 cm
Pages
616
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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