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zu Anfang des dritten Jahrhunderts jedoch wurde das ganze Comitat zu Unter-Pannonien
und nach der am Ende des dritten Jahrhunderts erfolgten Zweitheilung desselben zu
Valeria geschlagen. Die römischen Niederlassungen bildeten eine Reihe längs der Donau
und eine zweite in anderer Anordnung mitten durch das Comitat. Durch den an der
Donau gelegenen Strich zog die alte Römerstraße von Altofen nach Esseg hinab, noch
jetzt in ihren Überbleibseln erkennbar und zum großen Theile immer noch als Land-
straße benützt.
Römerfunde sind auf dem ganzen Comitatsgebiete häufig und bekunden nnwider-
leglich, daß dasselbe zu den Gegenden gehörte, wo die römische Bevölkerung am dichtesten
beisammen wohnte. Dies ist übrigens auch durch seine Lage an der damaligen Grenze
gerechtfertigt, wo ja mit den einbrechenden Völkerschaften Jahrhunderte lang um
Pannoniens Besitz gekämpft wurde. Im vierten Jahrhundert finden wir hier noch die
I. und II. römische Legion, als aber Ärpäd einrückte, war das Comitat schon im Besitze
einzelner Volksstämme von slavischem Ursprung.
Unter den Königen aus Ärpäds Hause und später unter denen aus gemischten
Häusern, insbesondere während Sigismnnds Herrschaft, war das Comitat häufig der
Schauplatz von Parteikämpsen, welche ganze Ortschaften vernichteten; als damaliger
Mittelpunkt des Landes sah es jedoch auf jede Verheerung alsbald die Wiedergeburt
folgen, da die Besitzungen im Comitate stets in die Hände der mächtigsten Familien
gelangten.
An dem Rande des völligen Unterganges sah sich das Comitat erst nach dem
Jahre 1543, als die Türken Stuhlweißenburg eroberten und dann nicht nur die Ort-
schaften des Comitatsgebiets zerstörten, sondern auch das Comitat als solches aufhoben
und dessen Gebiet geviertheilt den vier Sandschakschaften des Pascha's von Ofen — denen
von Ofen, Weißenburg, Simontornya und Szegzard — angliederten. Während der
nahezu anderthalb Jahrhunderte der Türkenherrschaft zerstreute sich auch ein großer Theil
der im Comitat ansässigen Grundbesitzerclasse und erschien nur zeitweise in dessen Bereiche,
persönlich oder in der Person eines Vertreters, um von den Leistungen der Hörigen soviel,
als sich eben eintreiben ließ, in Empfang zu nehmen. Die Bevölkerung des Comitats
hatte damals zwei Lasten zu tragen, denn sie zahlte einerseits die ihren Grundherren
zukommende Steuer, aber sie hatte auch für die systemisirten Leistungen an die Sandschak-
schaften aufzukommen. Unter dieser doppelten Belastung und den nebenher laufenden,
immer wieder ausbrechenden blutigen Kämpfen und Verheerungen, schmolz die Bevölkerung
zusammen, die Ortschaften standen mit der Zeit unbewohnt da, ja unzählige der ehedem
blühendsten Gemeinden verschwanden völlig. Jene Pußtenbesitzungen, die jetzt im nörd-
lichen und besonders im nordwestlichen Theile des Comitats als einzelnen Gemeinden
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch