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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Volume 16
Page - 596 -
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596 an den Wassersäumen. Wildgänse, Wildenten rudern zu Tausenden auf den tieferen Gewässern oder die inneren Ränder der Rohrwälder entlang. Über die glatte Fläche der Fluth oder die Reihen ihrer Wellenkämme zucken auf weißein Fittig Möven uud Meer- schwalben hin. Überall ewige Bewegung. Im Winter ist der Plattensee eiue öde, düstere Leichengestalt für Jedeu, der ihu im Sommer gekannt und geliebt hat. Alles mit Eis bedeckt, und das Eis überall mit Schnee und der Schnee überall mit Nebel. Das Eis begräbt die Farbe, den Strahleuglanz und jede Lebeusreguug. Der Nebel verhüllt uns die wechselnden Formen, ja selbst Umrisse der fernen jenseitigen Ufer. Was näher uud was ferner, was tief und was hoch gelegen: in all dem finden wir uns nicht zurecht. Ist Windstille, so lastet auf unserer Seele der Druck einer Stummheit, wie sie vor der Schöpfung geherrscht. Braust der Sturm einher, so verschwindet uns Alles miteinander, die frei über die Eisfläche jagende Windsbraut hüllt für unser Auge deu ganzen Plattensee in eine einzige graue Schneewolke ein. An klaren kalten Tagen sogar erblickt man nur sehr selten in der Ferne ein Fuhrwerk oder einen Trupp Fischer. Einzeln wagt sich kein Mensch auf den gefrorenen Plattensee hinaus. Dieser einsame Gang könnte der Tod sein, bei plötzlich eintretendem Sturm oder dichtem Nebel. Das Bersten des Eises geschieht mit einem furchtbaren, donnernden Krach. Der Riß ist oft 5, 10, 15 Kilometer lang und entsteht gewöhnlich nach der Längsrichtung des Sees. Das 30 bis 40 Eentimeter dicke Eis klafft oft 1 bis 2 Schritt auseinander nnd iu der Spalte toben die Gewässer mit freiem Wellenschlag. Was mag die Ursache des Berstens sein? Als Hanptnrsache, und vielleicht die einzige, wird der Druck des Windes betrachtet, der sich in der Mitte des Plattensees mit solcher Wucht auf das Eis legt, daß dieses, wenn auch nur unmerklich, sich auf bedeutende Strecken einbaucht und das Wasser gegen die beiden Ufer preßt; wenn dann der Druck des Windes aufgehört hat, drängt das zur Seite gepreßte Wasser an seinen Platz zurück, drückt das Eis nach oben und bringt es dadurch zum Bersten. Der Druck des Windes verursacht, wie die Entstehung der Spalte, oft auch deren abermalige Schließung. Nach einer anderen Auffassung jedoch, die auch auf ernste Beachtung Ansprnch machen darf, wäre der rasche Umschlag der Temperatur die Ursache des Berstens. Übrigens wimmelt das Hirn der Leute von einem ganzen Schwärm falscher Meinungen und mit wissenschaftlichen Gründen nicht belegbarer Ansichten über den Plattensee. Einige derselben müssen hier erwähnt werden. Viele meinen und behaupten es sogar in ihren Schriften, daß das Wasser des Plattensees, wie das Meer, einen gewissen, wenn auch geringen Grad von Ebbe und Fluth besitzt, uud diese Ansicht hängt mit dem Glauben zusammen, daß das Wasser des
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Volume 16
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Ungarn (4)
Volume
16
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1896
Language
German
License
PD
Size
15.18 x 21.71 cm
Pages
616
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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