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Demetr ius (Dymitr) zustande, welcher mit Unterstützung einiger polnischer Magnaten
nach Moskau zog und den Sitz der Czareu einnahm, um nach kurzem Siegesräusche ebenso
schnell von demselben gestürzt zu werden. So wurde Polen selbst in einen Krieg mit
Moskau verwickelt. Der polnische Feldherr ZötkienM schlug den Czaren Wasil Sznjski bei
Ktuszyn, nahm ihn gefangen und besetzte Moskau, dessen Bojaren dem Sohne Sigismunds,
Wtadyskaw, die Czareukrone < l a n b o t e n . Sigismund zögerte aber aus religiöse«
Bedenken mit der Einwilligung zu dieser Wahl und begnügte sich mit der Eroberung von
Smolensk. So kam es, daß die polnische Besatzung in Moskau niedergemetzelt wnrde »nd
die Dynastie der Romanow sich ans dem Czarenthrone festsetzte.
Bald brach aber der dritte und schrecklichste Krieg, der mit den Türken, ans.
Solange die ganze Last der Türkenkriege ans Österreich-Ungarn und ans Benedig rnhte,
bot sich zu einem Kriege mit der Türkei für Polen kein nnmittelbarer Anlaß. Das enge
Bündnis; Sigismunds mit Osterreich hingegen rückte jetzt die Gefahr eines Türkenkrieges
näher, und der Anlaß fand sich in den Streifzügen der Kozaken.
Die Kozaken waren ein eigenthümliches Gebilde der polnischen Republik. Die
seit Jahrhunderten fortschreitende Colonisation der Steppen am unteren Dniepr, in der
sogenannten Ukraine, mnßte eine kriegerische Organisation der dortigen Bevölkerung hervor-
rufen. So kam es, daß nicht nur der dortige, zum Theil eingewanderte polnische Adel,
sondern auch die Bauern, Polen und Rutheueu, in das Kriegshandwerk eingeübt »nd von
einem seltenen kriegerischen Geiste erfüllt waren. Bielen von ihnen gefiel friedliche Arbeit
nicht mehr. Sie wählten sich einen Hauptmann und unternahmen verheerende Raubzüge
gegen die Tataren, ja auf flinken Booten sogar in das Schwarze Meer gegen die türkischen
Städte. Man nannte sie Kozaki. Bald gab es solche, welche sich auf kleinen Inseln am
Dniepr ein befestigtes Lager gründeten nnd sich ausschließlich räuberischen Streifzügen
Hingaben. Das Lager hieß Siez zaporoska und wnrde schon zn Ende des XVI. Jahr-
hunderts dem iu den südlichen Provinzen ansässigen Adel nnd Bürgerthum gefährlich.
Es kam zu einem Kampfe. Die Kozaken wurden zwar von Fürst Konstantin Ostrogski
geschlagen und zur Ruhe gezwungen; der dortige Adel aber, der noch durchwegs rutheuisch
war, sah sich durch die Kozaken fortwährend ernstlich bedroht, suchte daher seine
Stütze immer mehr in Polen nnd entfremdete sich dem rnthenischen Bolksthnme. Der
polnische Staat beeilte sich indessen keineswegs, die „Sicz" mit seiner ganzen Macht zn
unterdrücken. Kriegsleute solchen Schlages konnte der Staat in der Gefahr kaum entbehren;
die Könige und die Republik trachtete» vielmehr, die Kozaken zu organifireu und in ihren
Dienst zu stellen. Es gelang ihnen dies zeitweise vortrefflich. In Sold genommene Kozaken-
scharen kämpften mnthig nnd nnvcrdrofsen in allen Kriegen, welche König Sigismund
führte. Die polnische Regiernng war aber zn schwach, um diese Organisation der Kozaken
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Volume 19
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Galizien
- Volume
- 19
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1898
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.48 x 22.34 cm
- Pages
- 920
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch