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Aufmerksamkeit des Volkes immer mehr nach dem Osten; an dem Ringen der europäischen
Mächte im dreißigjährigen Kriege nahm der polnische Staat keinen thätigen Antheil.
Sigismund begnügte sich damit, daß er dem Kaiser Ferdinand II. gestattete, eine besondere
Söldnertruppe, die sogenannten Lisowezyki, in Polen anzuwerben.
In der inneren Politik machte sich die Regierung Sigismunds durch einen un-
gewöhnlichen Aufschwung des Jesuitenordens bemerkbar. Diesem Orden gelang es
auch, auf friedlichem Wege die protestantischen Adelsgeschlechter mit wenigen Ausnahmen
zur Rückkehr zum Katholicismus zu bewegen, so daß Polen seine Religionseinheit wieder-
gewann. Nur die orientalische Kirche leistete noch dem Katholicismus Widerstand, trotzdem
sie im Inneren das Bild vollkommener Auflösung darbot. Die Hoffnung war nicht
unbegründet, daß sie der katholischen immer mehr Platz machen werde, da ja der rnthenische
Adel bereits anfing, zum Katholicismus überzutreten. Doch weder der König noch die
Jesuiten wollten diesen langwierigen Proceß abwarten; sie glaubten, das Werk durch eine
Union der katholischen und der orientalischen Kirche in Polen beschleunigen zn
können. Die Reminiscenzen der Union von Florenz lebten wieder anf, rnthenische Bischöfe
fanden sich zur Annahme der Union bereit, weil sie von derselben eine Belebung ihrer
absterbenden 5.irche und eine Hebung ihrer Stellung erhofften. So kam auch ohne Schwierig-
keit auf der Synode der rnthenischen Bischöfe in Brzesc (1596) eine Union der rnthenischen
Kirche mit dem römischen Stuhle zustande. Doch bei ihrer Durchführung tauchten verschiedene
Schwierigkeiten auf. Das weltliche Element, welches in den Kirchenbruderschaften großen
Einflnß auf die Kirche gewonnen hatte, zeigte sich an vielen Orten widerspenstig, einige
Bischöfe fielen wieder ab, und so kam es, daß die Union nur in Lithanen feste Wurzel faßte,
in den südlichen Provinzen aber sich nnr mit Mühe behaupten konnte. Die lateinische
Geistlichkeit verhalf ihr keineswegs zum Siege. Die polnischen Bischöse widersetzten sich
der Aufnahme der rnthenischen unirten Bischöfe in den Senat, wodurch die letzteren und
die nnirte Kirche erst zn vollständiger Gleichberechtigung und zu politischem Einflüsse
hätten gelangen können. Die Union blieb somit auf halbem Wege stehen nnd hatte
erbitterte Kämpfe zwischen den Unirten und den Nichtnnirten zur Folge.
Der älteste Sohn Sigismunds, Wtadystaw IV., vermählt mit Cäeilia Renata,
Erzherzogin von Österreich, folgte seinem Vater im Jahre 1632 anf dem Throne. Er
beeilte sich vor Allem, die begonnenen Kriege zu Ende zu führen. Nach dem glänzenden
Entsätze der Festung Smolensk, wobei das ganze russische Heer in Gefangenschaft gericth,
schloß er Frieden mit Moskau. Bald darauf verlängerte er den Waffenstillstand mit
Schweden und erneuerte den Frieden mit der Türkei. Im Innern suchte er die aufgetauchten
Gegensätze auszugleichen. So gestattete er denjenigen Rnthenen, welche zur Union in
Opposition getreten waren, ihre geistliche Hierarchie wieder einzusetzen nnd gab ihnen ihre
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Volume 19
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Galizien
- Volume
- 19
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1898
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.48 x 22.34 cm
- Pages
- 920
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch