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Frankreich und Österreich waren es vornehmlich, welche Polen in das Geleise ihrer Politik
lenken wollten; die zweite Hälfte des XVII. Jahrhunderts bietet vor Allein das Bild eines
lebhaften Jnteresseukampses zwischen diesen zwei Mächten ans polnische»! Boden dar.
Nach der Thronentsagung Johann Kaziinirs siel die Wahl unverhofft auf den beim
niederen Adel populären Fürsten Michael Wisniowiecki, welcher die Schwester Kaiser
Leopolds I., Eleonore, heiratete und sich unter den Einfluß Österreichs stellte. Es war
die Zeit, in der die Eroberungssucht der Osmanen noch einmal aufzulodern und,
begünstigt durch die in Polen herrschende Anarchie, anch gegen dieses Reich sich zu weudeu
begann. Es gelang ihnen, sich der stärksten Grenzfestung Polens, Kamieniec Podolski,
zn bemächtigen, die südlichen polnischen Provinzen wegzunehmen und den Kozakenhetiuan
Doroszenko zur Anerkennung ihrer Oberhoheit zu bewegen. In diesem Augenblicke der
Noth trat aber in Polen ein genialer Feldherr, Johann Sobieski, auf, welcher im
Jahre 1673 bei Chocim eiueu glänzenden Sieg über die Türken erfocht und infolge
dessen nach dem gleichzeitig erfolgten Tode des Königs Michael zu dessen Nachfolger
gewählt wurde.
Sobieski gehörte zur französischen Partei, war mit einer Französin Marie Kazimira
d'Arqnien vermählt, und seine Thronbesteigung erschien demnach als ein vollständiger
Sieg der Politik Ludwigs XIV. Nach einiger Zeit verließ jedoch Johann III. das Fahr-
wasser der französischen Politik, lähmte durch entschiedenes Austreten die Bestrebungen der
französischen Partei und schloß ein Bündniß mit Kaiser Leopold I. Er that dies unter du«
Einflüsse des religiösen und kriegerischen Geistes, welcher die Polen zum Kampfe gegen die
Osmanen im Namen ihrer historischen Mission beseelte; er that es aber auch in der Absicht,
seine Dynastie auf dem polnischen Throne zu befestigen, was ja mit Hilfe des nahen
Österreich viel leichter als mit jener des entlegenen Frankreich durchzuführen war. Als nun
die Türken im Jahre 1683 gegen Wien anstürmten und die Hauptstadt Österreichs Gefahr
lief, diesem Anstürme zu erliegen, zögerte Johann III. nicht, den Bestimmungen des
Vertrages gemäß mit einem polnischen Heere in Eilmärschen znm Entsätze von Wien zu
eilen. Bor Wien vereinigte er seine Truppen mit jenen des Herzogs Karl von Lothringen
und das vereinigte Heer erfocht nnter seinem Oberbefehle einen der glänzendsten Siege,
dnrch welchen Wien befreit nnd die Macht der Osmanen zum ersteumale gebrochen wurde.
Sobieski verfolgte noch die fliehenden Osmanen nach Ungarn, nahm an zwei Schlachten
bei Parkäny und an der Eroberung Grans theil, nnd auch «ach seiner Rückkehr nach Polen
hörte er bis zn seinem Lebensende nicht ans, die Türken und die Tataren zu bekämpfen.
Im Jahre 1696 starb er, ohne aber seine dynastischen Absichten verwirklicht zu sehen. Die
beabsichtigte Heirat seines Sohnes mit einer österreichischen Erzherzogin kam nicht zustande,
die Ränke seiner Gemalin nach seinem Tode erregten allgemeines Ärgernis;, Jakob Sobieski
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Volume 19
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Galizien
- Volume
- 19
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1898
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.48 x 22.34 cm
- Pages
- 920
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch