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in den allernmnnigfaltigsten Farben. Sie tragen Stiefel, die wohl zarter als die der
Männer gemacht, aber auch mit Eisen versehen sind, oder Gamaschen; dort, wo die Männer
(Uiockuki tragen, wie beispielsweise die Goralen, tragen sie auch die Frauen. Als Kopf-
bedeckung dienen Tücher der verschiedensten Farben und Stoffe. Die Mädchen flechten ihr
Haar zumeist in einen Zopf zusammen, die Frauen schneiden sich in manchen Gegenden
das Haar so ab, dass sie es unter der Haube unterbringen können; dieser Hanben gibt es
eine große Menge, von den allerprimitivsten bis zu den reich geschmückten und schönen. Das
Überkleid deckt gewöhnlich noch ein großes Tuch von weißer oder anderer Farbe. Die
Mädchen haben viel Gefallen au den verschiedenartigsten Bändern, Kokarden und Flitter-
werk. Zur Trauung gehen sie, einen Kranz aus dem Kopfe, mit aufgelöstem Haar, das von
verschiedenfarbigen Bändern reich dnrchschlnngen ist, in der schönsten Tracht, welche in
der Gegend üblich ist. Die weibliche Feiertagstracht fällt im Allgemeinen durch ihre
Einfachheit und ihren Farbenreichthum angenehm auf; die schönste darunter ist
unzweifelhaft die Krakauer Tracht.
Es ist die höchste Zeit, daß man sich mit einer detaillirten Ersorschnng, Beschreibung
und Jllnstrirung der Volkstrachten Galiziens beschäftige, da sie immer mehr von der alles
nivellirenden Weltmode verdrängt werden. Es gibt Gegenden, wo sich das Volk heute
schon seiner Nationaltracht nnr bei außergewöhnlichen Festanlässen bedient, ähnlich wie
der polnische Adel. Vor nicht langer Zeit noch stellten auch die kleinstädtischen Trachten
Galiziens ein sehr interessantes Object für ethnographische Studien dar. Niemand hat
sich damit beschäftigt und heute ist kaum eine Erinnerung au alles dies zurückgeblieben.
Or t san lagen , Wohnungen und Beschäftigungen. Die Namen der
polnischen Dörfer stammen bald vom Hof oder dem Schlosse ihres Besitzers, bald zeigen
sie an, wessen Eigenthum sie gewesen, bald tragen sie den Namen eines Stammes, der sie
bewohnte, bald charakterisiren sie die Örtlichkeit, die ein Dorf einnimmt, bald bezeichnen
sie die Bestimmung einer Ansiedlnng, oder sie drücken einfach aus, dies sei das Dorf so
und so, eine Colonie von da oder dort, oder auf welche Bedingungen hin sie angelegt sei.
Das äußere Bild eines polnischen Dorfes hat im Allgemeinen etwas sehr
Anmnthendes, namentlich dort, wo sich ein Herrenhof nnd ein Pfarrhof befinden. Ans
der Ferne gesehen, erscheint eine solche Ansiedlnng wie ein Haiu, durch desseu Grün
die weißen Mauern des Edelhöfchens uud der Bauernhäuser hindurchschimmern, uud
über den hinaus sich der Kirchthurm oder hie und da das Dach eines Gebändes
erhebt. Ringsum Felder uud Wiesen, welche das Auge durch die Maunigsaltigkeit ihrer
Farben entzücken und alles dies hebt sich, vom Flüßchen oder Bächlein, von Feldwegen
oder der Heerstraße durchschnitten, welche durch Kreuze und Kapellchen gleichsam geheiligt
sind, anmuthig vom Hintergründe der nahen Wälder, Hügel oder Berge ab. Die Mauern
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Volume 19
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Galizien
- Volume
- 19
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1898
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.48 x 22.34 cm
- Pages
- 920
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch