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des Edelhoses sind in der Regel weiß getüncht. Der Krakowiake findet ganz besonders
Gefallen daran und tüncht sein Häuschen, mag es das allerärinste sein, weiß. Der
Maznre umrahmt, wenn er nicht sein ganzes Haus weiß tüncht, wenigstens die Fenster
mit weißer Farbe oder er bringt doch um die Fenster herum einige weiße Pinselflecke
an. Nur dem Lasowiakeu und dem Goralen ist es leid um die äußere Ausschmückung des
Hauses mit Kalktünche; dagegen bekommen hier die Hauswände ans Fichten-, Weiß- und
Rothtannenholz nnter der Einwirkung der Sonne allmälig eine kräftig rothe Farbe.
Vor allem andern zieht die Kirche mit dem Pfarrhofe und der daneben befindlichen
Schule die Aufmerksamkeit auf sich. Die Kirche befindet sich gewöhnlich auf einer Anhöhe
und ist von einem beträchtlichen, rings eingefriedeten Rasenplatze, dem sogenannten
„Friedhofe", umgeben. Ungeheure Linden, hier und da Birken oder andere Laubbäume
bieten reichlichen Schatten und schützen das Gotteshaus vor heftigen Stürmen nnd
Wettern. Das alterthümliche Dorfkirchlein ist, wenn aus Holz gebaut, meist aus
Lärchenholz gezimmert, und sein Dach, ebenso wie seine Wände, von oben bis unten
mit Schindeln gedeckt. Auf dem First ist eiu kleines Thürmchen mit einem Glöckchen
angebracht, auf dem das Kreuz sichtbar ist. Ganz abgesondert steht ans dem Kirchhof der
sogenannte Glockenthnrm, eine Art viereckigen Thurmes, der uahezu die Höhe der
Kirche hat, ebenso wie diese aus Holz gezimmert und von oben bis unten mit Schindeln
gedeckt ist. Das Innere der Kirche ist einfach, aber nett, voll vergoldeter Altäre und
Bilder, die nicht immer von Meisterhand herrühren, vielmehr gewöhnlich wie alles aus
den oft ungeübten Händen einheimischer Kleinstadt-Künstler hervorgegangen sind, welche
auch den Gesichtern und Trachten der Heiligen nicht selten einen ganz localen polnischen
Charakter verleihen. Die Schule, wenn sie nicht eine gewöhnliche Bauernhütte ist, trägt
den schablonenhaften allgemein bekannten Styl zur Schau, ebenso der Herrenhof, nicht
aber ohne irgend welches specifisch polnisches Gepräge, besonders wenn er ans älterer
Zeit stammt und einem einheimischen Architekten seine ursprüngliche Anlage verdankt.
In letzterem Falle kann man unschwer zahlreiche Analogien zwischen seiner Structur »lud
derjenigen der Bauernhäuser herausfinden, aus deren Structur jene der Höfe durch
Vervollkommnung entstanden ist. Zum Edelhofe, welcher sich gewöhnlich in einiger
Entfernung vom Dorfe befindet, führt eine Straße, die zu beiden Seiten von großen
Linden beschattet oder von hohen Pappeln gesäumt ist; der Hof selbst aber verliert sich,
gleich dem Dorfe, in dem Grün seiner Gartenbäume und der Linden oder Pappeln, die
ihn unmittelbar umgeben.
Die Gestalt des Dorfes hängt vollkommen von dem Terrain ab, auf welchem es
erstanden ist. In den Bergländern liegen die bäuerlichen Anwesen zerstreut, im Flachlande
eng aneinander gebaut; hier aber, so wie dort, ist die Breite der Ortsanlage sehr gering
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Volume 19
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Galizien
- Volume
- 19
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1898
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.48 x 22.34 cm
- Pages
- 920
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch