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gleichfalls in den Flur (von dort in die Wohnstube), sie ist aber nicht in der Mitte
der Frontwand angebracht. Der erste Typns gilt im Gebirgs-, der zweite für das Flach-
land als Regel.
In der Wohnung des Goralen befindet sich auf der einen Seite des Flurs die
schwarze Stube, auf der anderen die weiße und daneben die Kammer, wo man
Gewänder, Lebensmittel und gewisse kleinere Wirthschastsgeräthe aufbewahrt. In der
schwarzen Stube wird gekocht und werden die häuslichen Arbeiten verrichtet. Hier haben
Zutritt das Kalb, das Ferkel und unbedingt die juugen Lämmer, um Schutz vor der
Winterkälte zu finden. In der weißen Stnbe sind die Schlafstätten und hier wird auch
das Webgeräthe aufgestellt. Die Wände sind glatt gehobelt und ganz mit Heiligenbildern
behängt, wie dies überall beim polnischen Landmann der Fall ist. In einer gewissen
Höhe läuft rings um die Wände ein kleines mit kunstreich geschnitztem Rande versehenes
Regal, auf welches man verschiedensärbig glasirte Schüsseln, Teller, Töpfchen und kleine
Krüge stellt, welche oft von sehr origineller Form sind. Fehlt das Regal, so hat man statt
dessen demselben Zwecke dienende Schränkchen mit Glasscheiben, welche auf Schublade-
schränken oder anderen Schränken im Genre der städtischen Credenzkasten ruhen. Die
Wanduhr gehört hier nicht so sehr zu deu Seltenheiten wie auf dem Flachlande. Au der
Fensterwand ist die Bank zum Sitzen befestigt und davor, zwischen den Fenstern, steht
der ungemein glatte Ahorntisch. Außer der Bank findet man auch einige tragbare Bänkchen
oder sesselsörmige Schemel. Das Bett, das manchmal schön, immer aber geräumig ist und
der gewöhnlich blütenweiße Ofen nehmen den übrigen Raum ein. Über dem Bette hängen,
ebenso wie bei den Bewohnern der Ebene, auf einer passend an die Decke befestigten
Stange die Pelze, Tuchröcke und andere Gewandstücke. Die Festtagsgewänder, namentlich
die der Frauen, werden gewöhnlich in Truhen gelegt, die von einheimischer Arbeit und
originell bemalt sind und in der Kammer ihren Platz haben. Die Stuben sind hoch, hell
und fast immer mit Dieleuböden versehen, was im Flachlande zu den Seltenheiten gehört.
Die Häuser der Goralen haben gewöhnlich keine Rauchfänge; der Ranch tritt aus der
Deckenöffnung auf den Dachboden und von da durch die Rauchlöcher, wenn solche
vorhanden sind, oder durch die Ritzen des Daches in's Freie.
Wie wir schon oben sagten, besteht das Wohnhaus der Ebene aus zwei Theilen:
der Stube und dem Hausflur. Die innere Eintheilnng der Stube entspricht der Goralischen
schwarzen Stube. Bei dieser Stube befindet sich manchmal eine zweite kleinere, die man
pikier? (Erkerstube) nennt. Wenn der Flur das Haus in zwei Hälften theilt, so spielt
die eine Stube die Rolle der weißen Goralischen Stube, die zweite die der schwarzen.
Nur die Einrichtung ist verschieden, wie anch sonst das Haus selbst und seine Einwohner
ein ganz anderes ethnographisches Bild zeigen.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Volume 19
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Galizien
- Volume
- 19
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1898
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.48 x 22.34 cm
- Pages
- 920
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch