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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Volume 19
Page - 270 -
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270 gleichfalls in den Flur (von dort in die Wohnstube), sie ist aber nicht in der Mitte der Frontwand angebracht. Der erste Typns gilt im Gebirgs-, der zweite für das Flach- land als Regel. In der Wohnung des Goralen befindet sich auf der einen Seite des Flurs die schwarze Stube, auf der anderen die weiße und daneben die Kammer, wo man Gewänder, Lebensmittel und gewisse kleinere Wirthschastsgeräthe aufbewahrt. In der schwarzen Stube wird gekocht und werden die häuslichen Arbeiten verrichtet. Hier haben Zutritt das Kalb, das Ferkel und unbedingt die juugen Lämmer, um Schutz vor der Winterkälte zu finden. In der weißen Stnbe sind die Schlafstätten und hier wird auch das Webgeräthe aufgestellt. Die Wände sind glatt gehobelt und ganz mit Heiligenbildern behängt, wie dies überall beim polnischen Landmann der Fall ist. In einer gewissen Höhe läuft rings um die Wände ein kleines mit kunstreich geschnitztem Rande versehenes Regal, auf welches man verschiedensärbig glasirte Schüsseln, Teller, Töpfchen und kleine Krüge stellt, welche oft von sehr origineller Form sind. Fehlt das Regal, so hat man statt dessen demselben Zwecke dienende Schränkchen mit Glasscheiben, welche auf Schublade- schränken oder anderen Schränken im Genre der städtischen Credenzkasten ruhen. Die Wanduhr gehört hier nicht so sehr zu deu Seltenheiten wie auf dem Flachlande. Au der Fensterwand ist die Bank zum Sitzen befestigt und davor, zwischen den Fenstern, steht der ungemein glatte Ahorntisch. Außer der Bank findet man auch einige tragbare Bänkchen oder sesselsörmige Schemel. Das Bett, das manchmal schön, immer aber geräumig ist und der gewöhnlich blütenweiße Ofen nehmen den übrigen Raum ein. Über dem Bette hängen, ebenso wie bei den Bewohnern der Ebene, auf einer passend an die Decke befestigten Stange die Pelze, Tuchröcke und andere Gewandstücke. Die Festtagsgewänder, namentlich die der Frauen, werden gewöhnlich in Truhen gelegt, die von einheimischer Arbeit und originell bemalt sind und in der Kammer ihren Platz haben. Die Stuben sind hoch, hell und fast immer mit Dieleuböden versehen, was im Flachlande zu den Seltenheiten gehört. Die Häuser der Goralen haben gewöhnlich keine Rauchfänge; der Ranch tritt aus der Deckenöffnung auf den Dachboden und von da durch die Rauchlöcher, wenn solche vorhanden sind, oder durch die Ritzen des Daches in's Freie. Wie wir schon oben sagten, besteht das Wohnhaus der Ebene aus zwei Theilen: der Stube und dem Hausflur. Die innere Eintheilnng der Stube entspricht der Goralischen schwarzen Stube. Bei dieser Stube befindet sich manchmal eine zweite kleinere, die man pikier? (Erkerstube) nennt. Wenn der Flur das Haus in zwei Hälften theilt, so spielt die eine Stube die Rolle der weißen Goralischen Stube, die zweite die der schwarzen. Nur die Einrichtung ist verschieden, wie anch sonst das Haus selbst und seine Einwohner ein ganz anderes ethnographisches Bild zeigen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Volume 19
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Galizien
Volume
19
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1898
Language
German
License
PD
Size
16.48 x 22.34 cm
Pages
920
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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