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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Volume 19
Page - 282 -
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Page - 282 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Volume 19

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282 zum Tode: „Ich weiß es ja, daß ich mich mit nichts loskaufen kann, allein ehe Du mich fortnimmst, hole mir doch einige Birnen von jenem Baume dort, der vor dem Hause steht. Ich möchte doch zum letztenmale von diesen irdischen Leckerbissen verkosten, die mich mein Leben lang gelabt haben." Der Tod springt auf den Birnbaum, reißt und reißt da Birnen ab und will sie endlich dem Kranken bringen. Es geht aber nicht! Er kann sich nicht rühren, nicht herunter, dreht und wälzt sich, stößt mit seinen häßlichen Knochen herum — alles umsonst; er schreit mit durchdringender Stimme, bittet um Erlösung, umsonst! Endlich erhebt sich Armut auf seinem Bette und fängt an mit ihm zu handeln. „Wenn Du niemals mehr hierherkommst, um mich zu holen, so will ich Dich befreien". — „Niemals mehr!" antwortete der Tod. Und in der That, als er befreit war, machte sich der Tod so schnell als möglich ans dem Staube und Armut blieb zurück. Einstmals sandte Gott einen seiner Engel zu einer armen Witwe, damit er ihre Seele zu sich nehme. Der Engel trat in die armselige Hütte, wo er fünf kleine Kinder fand, die am Bette der sterbenden Mutter heiße Thränen weinten. Ein großes Mitleid preßte sein Herz zusammen, zwei große Thränen traten in seine Augen und er kam mit leeren Händen in den Himmel zurück. „Warum hast Du die Mutter nicht hergebracht?" fragte der liebe Gott. — „Urewiger Gott und Herr aller Zeiten! Ich konnte mir nicht das Herz fassen, dieses Weib mit mir zu nehmen; es ist eine arme Witwe und an ihrem Lager weinen fünf kleine Kinder so, daß es herzzerreißend ist." — „Hier hast Du einen Stab", erwidert Gott darauf, „gehe hin an das Meer und schlage damit auf's Wasser. Das Meer wird sich vor Dir zurückziehen und ans seinem Grunde wirst Du einen Stein erblicken. Diesen Stein zerschlage und dann komme wieder zu mir und sage mir, was Du darin gesehen hast." Der Engel ergriff den Stab, ging an das Meer, schlug darauf, das Wasser trat zurück und er erblickte einen kleinen Stein. Er zerschlug ihn und kehrte zu Gott zurück., „Was hast Du also gesehen?", fragt ihn der Herr. — „Ich habe", antwortete der Engel, „als ich den Stein auseinanderschlug, ein so kleines Würmchen darin gesehen, daß man es kaum mit dem Auge wahrnehmen konnte." — „Siehst Du", sagte da der liebe Gott, „ich weiß also um dieses kleine Würmchen am Meeresgrunde, das in einem Stein eingeschlossen ist, die Kinder aber sollte ich vergessen? Gehe und hole die Mutter!" So erzählt der Mazure diese Legende. Der gröbere Geist des Goralen setzt den Tod an Stelle des Engels. So wie dieser hat auch der Tod Mitleid mit den Kindern. Er bekommt einen Schlag ins Gesicht und geht, um den Stein zu holen, zum „Meerauge" (im Tatragebirge). Nachdem er ihn gebracht, muß er ihn aufbeißen und um die Mutter „holpern". Der Geschichten von verzauberten Prinzessinnen, von Teufeln, Hexen, Ungeheuern und Riesen, von Soldaten, welchen ungewöhnliche Abenteuer zustoßen, gibt es natürlich sehr viele. Die Stelle Fausts nimmt hier der Hexenmeister Twardowski ein, welcher
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Volume 19
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Galizien
Volume
19
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1898
Language
German
License
PD
Size
16.48 x 22.34 cm
Pages
920
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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