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an das Himmelsthor anklopfen würde, wie an seine eigene Chalnppe?) Der Ketzer aber.
Husch! ist er in den Himmel geschlüpft. Der heilige Peter ruft, läuft hinter ihm her, aber
der Ketzer jagt durch den Himmel, daß es hinter ihm ordentlich stäubt. Der Ketzer ist im
Himmel! Der heilige Petrus ist vor Schrecken starr und stumm; denn was wird der Herr
Jesus dazu sagen? Zum Glück hat das der heilige Michael im Fluge bemerkt und darauf
den himmlischen Soldaten etwas zugeflüstert. Der Ketzer hat es gleich gemerkt (denn er
ist furchtbar gerieben), daß es ihm hier an den Hals geht, also läuft er noch schneller.
Die Engel setzen sich auch in Bewegung und jagen dahin und dorthin ihm nach, daher der
Lärm, welchen wir Donner nennen. Nun ist es eine bekannte Sache, daß der Himmel viel
größer ist als unsere Erde; so ist genug Raum zum Fliehen und Jagen und es ist auch leicht
begreiflich, daß der furchtbare Lärm einmal hier und einmal dort zu hören ist. Manchmal
entfernen sich die Engel, nach dem Ketzer jagend, so weit von uns, daß man den Donner
einige Monate hindurch gar nicht vernimmt. Einmal oder das andere mal kommt es denn
wieder vor, daß die Engel den Ketzer erreichen; da öffnet gleich einer von ihnen den
Himmel und daher kommt das Leuchten, welches die Menschen Blitz nennen. Ein anderes
Mal packt ein Engel den Ketzer beim Kragen, um ihn mit dem Kopf zu unterst beim
Himmel hinaus zu werfen. Aber dieser entwischt den Händen des Engels wie ein Aal und
die Himmelspforte wird mit entsetzlichem Gepolter zugeschlagen — und wir nennen das
„Einschlagen". So werden die Engel auf Gottes Befehl den Ketzer für seinen Dünkel
und seine Frechheit bis an das Ende der Welt verfolgen. Erst am Tage des jüngsten
Gerichts wird der hochmüthige Ketzer in den höllischen Abgrund stürzen.
Der Geister, welche auf Erden wohnen, gibt es sehr viele. Zumeist sind sie dem
Menschen übel gesinnt. In den Wäldern wohnen die „wilden Menschen", allein die Tradition
von ihnen ist schon im Erlöschen. Wildfräulein die „Wunderfrauen" oder
„Mittagweiber" (?v!u<Zmce) genannt werden, sind Bewohnerinnen der Wiesen und Felder,
ebenso die „Mamoneu", Geschöpfe von schöner Körperbildung, aber von großer Bosheit,
welche die Gabe besitzen, die Menschen zu verzaubern und zum Bösen zu verleiten. Die
Mittagweiber haben ihren Namen daher, weil sie zur Mittagszeit inmitten der Felder und
Wiesen auftauchen und Kinder fortnehmen, wenn sie solche irgendwo allein antreffen.
Dasselbe vollführen auch die „Wuuderweiber", nur daß es nicht gerade um diese Zeit
geschieht. Die „Wuuderweiber" gehen hauptsächlich daraus aus, ganz kleine Kinder von
der Mutterbrust zu reißen und unbemerkt ihre eigenen unterzulegen. Weun die „Wunder-
weiber" irgendwelche Kinder erwischen, so schlagen sie sie mit Ruthen und werfen diese
auf den Kehricht, damit die Mütter erfahren, was mit ihren Kindern geschehen sei. In
solchen Fällen muß die Mutter trachten, das „Wunderweib" zu fangen, ihr die Mütze
abzunehmen und sie ihr nicht zurückzugeben, so sehr sie auch bitten sollte. Dann gibt sie
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Volume 19
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Galizien
- Volume
- 19
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1898
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.48 x 22.34 cm
- Pages
- 920
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch