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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Volume 19
Page - 288 -
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288 wenn dieser etwa dort badet, wo er sitzt. Diese Wassergeister kriechen manchmal ans dem Wasser und gehen auf der Erde nmher. Außerordentlich reich ist der Antheil der Legende am Sagenschatz des polnischen Volkes. Die heilige Familie, Jesus Christus, die Apostel und namentlich der heilige Petrus, die Gottesmutter, die Heiligen beiderlei Geschlechts und vornehmlich die von polnischer Herkunft, wie der heilige Stanislaus, die heilige Kunigunde, der heilige Jazek, Johann Kanty, der heilige Kazimir, ferner die durch Ablässe oder Wunder berühmt gewordenen Orte, das fiud die unerschöpflichen Quellen der frommen Legenden. Einer ganz besonderen Ehrung erfreut sich im polnischen Volke die heilige Gottes- mutter. Sie ist Königin der polnischen Krone; das erste polnische Lied, das der heilige Adalbert auf sie verfaßte, wurde viele Jahrhunderte hindurch als Schlachtgesang von den polnischen Rittern vor jedem Kampfe gesungen. Darum hat auch das polnische Volk diese Königin des Himmels und der Erde mit ganz besonderer Liebe umfangen und tausend- fältige Legenden über sie geschaffen. Ein kleiner Bruchtheil davon ist, als besondere Sammlung unter dem Titel „Die Königin des Himmels" in der Bearbeitung von Gawalewiez und mit herrlichen Illustrationen von Stachiewiez versehen, soeben erschienen. Wir haben diesen Gegenstand bereits znvor berührt, hier also nur eine kleine Ergänzung. In alten Zeiten ging es den Menschen gut, da das Getreide ganz anders gedieh, als heute. Die Ähren reichten vom Boden hinauf bis zur Spitze und es gab keine leeren Halme. Allein wie der Überfluß die Menschen immer verdirbt, so geschah es auch hier. Die Leute vergaßen auf Gott und auf die Armen. Die heilige Gottesmutter, barmherzig wie sie immer war, wollte sich davon überzeugen, ob denn die Menschen wirklich so schlecht seien. So begab sie sich denn mit dem Jesukindlein auf dem Arme in ein Dorf und ging dort um Almosen bittend von Haus zu Haus. Überall wurde sie abgewiesen und Mancher rief ihr auch noch ein böses Wort nach. Da ging die heilige Gottesmutter sehr betrübt zum Dorf hinaus und über den Feldweg znm nächsten Dorfe, im Glauben, daß dort die Leute wohl besser sein würden. Aber Jesus wußte wohl, daß in diesem zweiten Dorfe die Leute ganz ebenso gottlos und verhärtet sein würden als sonst wo, als überall. So sagte er: „Man muß ihueu das Brod weniger werden lassen, dann werden sie besser werden." Und schon wollte der Herr das Getreide in Gras verwandeln oder nur leere Halme wachsen lassen, allein die heiligste Mutter fühlte noch immer Erbarmen mit den Menschen und da faßte sie gerade in diesem Augenblicke eine Weizenähre oben mit ihrem Händchen an. Was sie mit der Hand nmsangen hielt, das blieb Ähre, das Übrige verwandelte sich in einen Halm und seither haben die Feldfrüchte nur in ihren obern Theilen Ähren und nicht so wie ehemals vom Boden aus bis hinauf.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Volume 19
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Galizien
Volume
19
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1898
Language
German
License
PD
Size
16.48 x 22.34 cm
Pages
920
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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