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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Volume 20
Page - 312 -
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312 genannten Festes Blei, und deuten aus der Form des im Wasser erstarrten Metalles ihr künftiges Schicksal. Auf diese Weise erfährt das Mädchen nicht nur im Allgemeinen, ob es heiraten oder ledig bleiben werde, sondern auch den Stand des künftigen Mannes. Ferner ist es üblich, Schnüre über enge Gassen und Thorwege zu spannen und die darüber fallenden Personen zu beobachten: fällt ein Verheirateter, so bleibt die Jungfrau ledig; ist der Gefallene ein Lediger oder ein Witwer, so heiratet sie, und zwar im ersten Falle einen Ledigen, im zweiten einen Witwer; fällt hingegen ein Priester, so stellt sich der Tod als Bräutigam ein. Auch lassen die Mädchen einen Hund oder ein Kätzchen drei Tage vor Andreas hungern; hierauf legt jedes der anwesenden Mädchen eine wohlgefettete Klöße oder dergleichen auf den Boden. Dasjenige Mädchen, dessen Klöße das herbeigeholte Thier zuerst verzehrt, wird am schnellsten heiraten. Aus der Fülle der anderen Orakel sei nur noch eines augeführt. Auf einen Tisch wird ein Ring, ein Myrthenzweig und eine Perlen- schnur niedergelegt und jeder dieser drei Gegenstände mit einem Teller bedeckt. Nun muß ein Mädchen, das bei diesen Vorbereitungen nicht anwesend war, einen der Teller aufheben. Findet es den Ring, so verlobt es sich im nächsten Jahre; der Myrthenzweig deutet auf baldige Hochzeit; die Perlenschnur zeigt aber an, daß die Arme noch weit von der Erfüllung ihrer Wünsche stehe oder gar ins Kloster treten werde. Die polnische Sprache ist weit über den Kreis der Polen hinaus verbreitet. Die Ursache dieser Erscheinung liegt wohl vorzüglich in dem Bedürfnis, sich mit den Personen der dienenden Classe, ferner mit den Handwerkern, welche zum großen Theile Polen sind, zu verständigen. Aus dem Umstände, daß die meisten Dienstboten, Ammen u. s. w. Polinnen sind, erklärt es sich auch, daß die polnische Sprache insbesondere unter den Kindern weit verbreitet ist und viele dieselbe in ihrer Jugend beherrschen, wenn sie auch von ihr im späteren Alter keinen Gebrauch machen. Mit Vorliebe pflegt man die polnische Sprache in den israelitischen Familien; die Kinder sollen zu derselben besonders aus dem Grunde angehalten werden, weil durch ihren Gebrauch die reinere Aussprache des Schriftdeutschen vorbereitet werde. Polnische Kinderspiele, Kinderverscheu und Neckreime sind in großer Zahl vorhanden und sind nicht nur den polnischen Kindern bekannt. Von den Spielen, bei denen die Theiluehmer stets der polnischen Sprache sich bedienen, sei beispielsweise das Farbenspiel erwähnt. Jedes der Kinder erhält den Namen einer Farbe, nachdem zwei derselben, der „Engel" und der „Teufel" ausgelost worden und bei Seite getreten sind. Hierauf nehmen die Farben auf Steinen oder dergleichen Platz oder setzen sich auf den Boden nieder. Nun kommt zunächst der Engel herbei und ahmt das Klingeln einer Glocke nach. „Wer ist da?", frägt eine der Farben: „Der Engel!", lautet die Antwort. „Was will er?" „Eine Farbe", erklärt der Engel, und nun nennt er eine Farbe. Wenn er eine Farbe errathen hat, welche einer der Mitspielenden führt, so muß derselbe dem Engel
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Volume 20
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Bukowina
Volume
20
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1899
Language
German
License
PD
Size
15.14 x 21.77 cm
Pages
546
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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