Page - 433 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Volume 20
Image of the Page - 433 -
Text of the Page - 433 -
433
Gewänden der rechteckigen, meist mit flachem Kleeblattsturze überdeckten Nebenthüren,
endlich an den Gewänden der rechteckigen, seltener spitzbogig oder rnnd überdeckten kleinen
Fenster wahrzunehmen. Merkwürdigerweise bestehen die Schmuckformen fast ausschließlich
aus gothischem, sich meistentheils durchkreuzenden Stabwerk; etwaige Zwickelfelder sind mit
kleinen Rosetten oder Schildchen ausgefüllt. An manchen der später hinzugekommenen
Vorhallen, hie und da auch im Pronaos, erscheinen die Fenster größer gehalten und oft
ziemlich reich mit Maßwerk versehen.
Wurden an diesen Constrnctionstheilen und an den Strebepfeilern rein gothische
Formen angewendet, so behielten etwaige sonstige architektonische, theilweise dem
romanischen Stile entnommene Gliederungen ihren wesentlich byzantinischen Charakter
bei. Es sind dies ein oder mehrere kleine Gurtgesimse an der Kuppelwölbung, welche, wie
häufig auch äußere Cordongesimse, den keilförmigen, ziegelrohbauartigen Zahnschuitt
zeigen, wohl auch ähnlich gebildete Sockelformen; ferner mäßig vertieft angeordnete glatte
Archivolten, schlanke, flache Blindarkaden, Rundbogen- und rundbogige Nischenfrieße,
letztere namentlich an den Außenseiten der Apsiden nnd an der Laterne. Es tritt sodann
sehr häufig der Rundstab auf und zwar als schlanke Säulchen, welche die Laterne im
Innern in verticale Felder gliedern, sowie zu dreien gekuppelt als Dienste. Der Rund-
stab markirt manchmal die Ecken der Laterne im Äußeren und die Contonr der Blind-
arkaden; theilt auch das Cordongesims horizontal in gleiche Hälften. Selten kommt der
einfach seilsörmig zusammengewundene Stab als Säule vor; dagegen begegnet uns hier
eine ähnliche, völlig typisch gewordene Detailform, entstanden aus drei Stäbchen, welche
je eine kurze Strecke zu einander parallel laufen und dann, gewöhnlich abwechselnd, eine
einfache Windung nach rechts, beziehungsweise nach links zeigen, ein hochbeliebtes Motiv,
das als Cordongesims, wie als Gurtbogen, als Dienst und Pfeiler, selbst als Kämpfer
angewendet erscheint uud das wir als „verknüpften Wulst" bezeichnen können. Angedeutet
findet sich dieses byzantinische Motiv in Miniaturen, sowie auf Analogia vom Berge
Athos, ferner an einem Initial im Reisebrevier Johanns von Nenmarkt aus der Mitte
des XIV. Jahrhunderts fkizzirt. Minder häufig kommen an antike Vorbilder erinnernde
Gesimse, Consolgesimse, balusterartig entwickelte Säulchen, Rosetten, korinthisirende
Capitäle und dergleichen vor; vielfach werden jedoch kleine Schildchen, und zwar auf
Gewölbrippen, als Confoleu u. f. w. augewendet.
Die weitere Entwicklung der Detailformen erstreckt sich lediglich auf die Verwendung
von vorwiegend byzantinischem Ornamentenwerk als Flachreliefs an verschiedenen Stellen,
wie dies die Laternenkuppel in Dragomirna und in geradezu verschwenderischer oder
überladener Weise die Bisserika Trei-Jerarhi zu Jassy an sämmtlichen äußeren Wand-
flächen zeigt. Hervorzuheben ist das hübsche Cordongesims am ehemaligen armenischen
Bukowina. 58
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Volume 20
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bukowina
- Volume
- 20
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1899
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.14 x 21.77 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch