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Getreidebaucentren am rechten Savenfer, in welchen Colonisteu ans der Monarchie
angesiedelt wurden, insbesondere im Baujalukaer Kreis und lim Bjelina. Das Bichl aus
diesen Mühlen wird fast ausschließlich in den Städten Bosniens selbst consumirt. Die
Verwerthung anderer Producte des Landbaues in Bosnien, namentlich der Pflaume und der
Zuckerrübe, ist bereits früher geschildert. Doch soll hier noch die Sara jevoer Actien-
branerei Erwähnung finden, ein modernes concnrrenzfähiges Unternehmen, welches an
die Stelle dreier kleiner, alter Brauereien getreten ist. Eine Malzfabrik ist mit dieser
Branereinnternehmnng verbunden, welche zumeist bosnische Gerste verwendet. Sarajevoer
Bier wird außer in den occnpirten Ländern auch in Dalmatien getrunken. Auf bosnischem
Boden befindet sich auch eine Mineralöl- nnd Chemikalien-Fabrik in Bosnisch-Brod,
welche galizisches Petroleum raffinirt, um dasselbe nach den Balkanländern abzusetzen.
Eine große Unternehmung, welche die Wasserkräfte des Landes zu verwerthen sich
anschickt, ist die „bosnische Electricitätsgesellschast" iu Jajce. Zum Schluß dürfen auch
eiuige kleinere Betriebe nicht vergessen werden. So insbesondere die Gaj tanfabr iken
I. Besarovic und R. Besarovic und Salom in Kovacic und Kosevo bei Sarajevo. Diese
beiden Fabriken, welche die im Orient üblichen Woll- und Seidenbörtel (LoAan) erzeugen,
werden durch Wasserkraft betrieben. Zum Färben und Drehen der Seidenbörtel werden
arnantifche (albanesische) Arbeitskräfte verwendet. Die Rindenschälfabrik in Prijedor, eine
Liqueur-, eine Seifen- und Kerzenfabrik, mehrere Sodawasserfabriken, Wirkereien, Ringöfen,
eine Tischlerwaarenfabrik sind Etablissements von minderer Bedeutung. Wenn wir die
Reihe der Unternehmungen überblicken, welche im Lanfe der letzten zwei Jahrzehnte in
Bosnien entstanden, und wenn wir uns gleichzeitig der Prodnctionsweise erinnern, welche
vorher geherrscht hatte, so werden wir uns des ungeheueren Unterschiedes zwischen der alten
und der neuen Zeit, die über Bosnien seit der Occnpation hereingebrochen ist, bewußt. Die
reichen Erzlager, die großen Wasserkräfte des Landes, der Aufschwung, welchen Land-
wirthschaft und Viehzucht nimmt, das wachsende Verständniß der Einheimischen für die
Entwickelung intensiver Betriebsarten, die wachsenden Bedürfnisse der Bevölkerung
stellen eine fortgesetzte Aufwärtsbewegung der wirthschaftlichen Entfaltung in Aussicht.
Handel. — Seit den Tagen der römischen Herrschaft, da aus dem Land der Daker
eine Straße über Sarajevo zum Meere nach der Narentamündnng ging, hat der gold-
führende Strom des Handels seinen Weg nicht mehr über die bosnischen Gebirge genommen.
Abseits vom culturbringenden Verkehr blieb es liegen, von blutigen inneren Kämpfen
durchwühlt. So war es möglich, daß sich die primitiven Wirthschaftsformen, die wir
eingangs kennen gelernt haben, erhielten. Die isolirte Hauswirthschaft bedurfte des
Tausches fast gar nicht oder nur im geringen Maße. Geld war selten und theuer. Es
diente mehr als Mittel, die Tauschgüter gegen einander abzuschätzen, denn als thatsächliches
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bosnien und Herzegowina, Volume 22
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bosnien und Herzegowina
- Volume
- 22
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.34 x 22.94 cm
- Pages
- 536
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch