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Die Regenerirung der erstgenannten kunstgewerblichen Gruppen wnrde seitens der
Landesverwaltung in der Weise vorgenommen, daß anfangs die tüchtigsten Arbeiter als
Lehrer in den snbventionirten Ateliers angestellt und ihnen einzelne Jünglinge als Schüler
zugewiesen wurden. Die gedachten Ateliers wurden mit den entsprechenden Werkzeugen
ausgestattet, und den Meistern wurde auch das zu verarbeitende Material zur Verfügung
gestellt. Die in den Ateliers ausgeführten Arbeiten, welche vom Ärar angekauft wurden,
verwendete man zur Sondirnng der Marktverhältnisse, wozu die in der Monarchie und dem
Auslande veranstalteten Ausstellungen die beste Gelegenheit boten. In kurzer Aufeinander-
folge wurden die Erzeugnisse des bosnisch-hercegovinischen Haus- und Kunstgewerbes in
Budapest, Agram und Temesvar, in Trieft und Wien, in Karlsruhe, Paris und Brüssel
ausgestellt. Die erste Betheiligung im größeren Stile war die an der land- und sorstwirth-
schastlichen Ausstellung in Wien im Jahre 1890. Um eine sichere Basis für die weitere
Hebung der einheimischen Kunsttechniken zu gewinnen, wurde den bei der gedachten Aus-
stellung in Verwendung gestandenen Regierungsorganen zur Pflicht gemacht, alle irgend-
wie bemerkenswerthen Äußerungen der Ausstellungsbesucher zu uotireu und diesbezüglich
kompetenten Ortes Meldung zu erstatten. Nach Schluß der Ausstellung legte der
Verfasser dieser Zeilen einen Generalbericht vor, in welchem er, nachdem die ausgestellten
Objecte den ungetheilten Beifall der sachverständigen Kreise gefunden, sich des lebhaftesten
Interesses von Seite des Pnblicnms erfreut hatten, und die Kauflust von Tag zu Tag
eine größere geworden war, beantragte, daß der eingeleiteten Action ein größerer Umfang
verliehen werde. Dies führte zur Gründung eines Central-Regierungsateliers für
Inkrustation, Tauschiren und metallurgische Arbeiten (Treibe-, Gravir-, Montiruugs- und
Vergolderarbeiten) in Sarajevo. Das Centralatelier, welches die Form einer kunst-
gewerblichen Schule nebst Internat hat, ist folgendermaßen organisirt. An der Spitze
steht ein Direktor, welchem die artistische, sowie die administrative Leitung der Anstalt
anvertraut ist. Jeder Gruppe steht ein Meister als Lehrer vor, welchem Gehilfen und
Zöglinge unterstellt sind. Die Arbeitsdauer im Atelier ist eine zehnstündige, und ebenso
werden für den Unterricht täglich zehn Stunden verwendet, wovon acht auf den praktischen
und zwei auf den theoretischen Unterricht entfallen. Der theoretische Unterricht umfaßt Lesen,
Schreiben, Rechnen, Religion und Zeichnen, auf welch letzteres das Hauptgewicht gelegt
wird. In das Internat werden nur arme Zöglinge aufgenommen. Die Mittagskost
erhalten sowohl Meister als auch Gesellen und Zöglinge unentgeltlich in der Anstalt. Nach
vierjähriger Lehrzeit werden die Zöglinge einer theoretisch-praktischen Prüfung unterzogen
und wenn sie die letztere bestehen, zu Gesellen befördert. Jenen Gesellen, welche die
Anstalt verlassen, um sich selbständig zn etabliren, wird von dem Ärar das ganze
erforderliche Werkzeug geschenkweise überlassen. Die Entlohnung des Personales erfolgt
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bosnien und Herzegowina, Volume 22
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bosnien und Herzegowina
- Volume
- 22
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.34 x 22.94 cm
- Pages
- 536
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch