Page - 105 - in Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
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Ansicht zu handeln. Von der Angelegenheit Taaffe-Wilczek
weiß ich gar nichts, da ich letzteren schon acht Tage
nicht sah und mit meinem großen Werke vollauf beschäf-
tigt war.
Mit den herzlichsten Grüßen
I h r D J I f
Rudolf
Laxenburg, 19. November 1884
Lieber Szeps!
Innigsten Dank für Ihren Brief. Mit großem Bedauern
erfuhr ich das harte Schicksal71, welches Sie und das von
Ihnen geleitete Blatt getroffen hat.
Ich kenne Ihren echt österreichischen Patriotismus und
Ihre edlen Gesinnungen und weiß daher, um wie viel mehr
Sie durch das düstere Symptom unserer Zustände be-
troffen wurden als durch Ihre Verurteilung, die ja ein
Opfer ist, das Sie Ihrer Überzeugung brachten, und auf
die Sie stolz sein können. In den Augen aller echten
Patrioten und für unsere moderne Kultur kämpfenden
Menschen errangen Sie einen Märtyrer-Sieg. Wer hätte
vor zehn Jahren die heutigen Zustände in Österreich für
möglich gehalten? Und was für Zeiten stehen uns noch
bevor!
Immer mehr und mehr gewinne ich die Überzeugung,
daß ernste, vielleicht blutige Tage kommen werden und
daß über kurz oder lang die Armee, als der letzte Schutz
und Hort des Staatsgedankens und der Ordnung, mit
elserner Hand eingreifen wird zur Rettung des Bürger-
standes und des geordneten Staatslebens. Wenn Sie mor-
gen Zeit hätten, mich um 2r/i Uhr in meiner Wohnung in
Wien zu besuchen, würde es mich sehr freuen.
Mit den herzlichsten Grüßen von uns beiden
I h r Rudol f
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Kronprinz Rudolf
Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Title
- Kronprinz Rudolf
- Subtitle
- Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Author
- Julius Szeps
- Publisher
- Rikola Verlag
- Location
- Wien - München - Leipzig
- Date
- 1922
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.6 x 19.54 cm
- Pages
- 246
- Keywords
- Habsburger, Österreich-Ungarn, Monarchie
- Categories
- Geschichte Vor 1918