Page - 107 - in Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
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gimentern bemerkbar machten; auch im Ministerium des
Äußern ist man dem Kabinett Taaffe nicht mehr sehr hold
gesinnt und was nicht unwichtig ist, der Vorstand der
Militärkanzlei General Popp ist durch und durch Jose-
phiner, liberal, deutsch und zentralistisch. Heute kommt
Graf Clam-Martinitz zu mir; ich will versuchen, diesen
Tschechenführer etwas auszuforschen.
In Budapest ging alles sehr gut; es ist interessant zu
beobachten, wie die Zeiten sich ändern, wie die Leiden-
schaften sich beruhigen und wie man immer mehr und
mehr einsieht, daß die magyarische Nation ohne ein
starkes Österreich nicht bestehen kann. Nachdem ich auch
die Ausstellungsgebäude besichtigt hatte, frühstückte ich
im National-Kasino mit Graf Andrássy und noch einigen
anderen Herren, wo es zu ganz eigentümlichen, aber vom
österreichischen Standpunkt aus betrachtet, erfreulichen
Gesprächen kam.
Da meine Frau wegen unserer Kleinen sehr ängstlich
ist, bitte ich mir zu schreiben, wie lange es her ist, seit
Ihre Tochter erkrankte und ob und wie viele Bäder sie
schon genommen hat; hoffentlich können wir uns dann
bald sehen.
Mit den herzlichsten Grüßen von uns beiden
Ihr
Rudolf
Wien, 30. Dezember 1884
Lieber Herr Szeps!
Ich kann nicht umhin, Ihnen meinen herzlichsten besten
Dank für Ihre guten Wünsche auf diesem Wege auszu-
drücken.
Auch ich wünsche Ihnen und Ihrer ganzen Familie das
Allerbeste, Glück, Zufriedenheit und Gesundheit, das
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Kronprinz Rudolf
Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Title
- Kronprinz Rudolf
- Subtitle
- Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Author
- Julius Szeps
- Publisher
- Rikola Verlag
- Location
- Wien - München - Leipzig
- Date
- 1922
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.6 x 19.54 cm
- Pages
- 246
- Keywords
- Habsburger, Österreich-Ungarn, Monarchie
- Categories
- Geschichte Vor 1918