Page - 111 - in Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
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Wien, 2. Februar 1885
Lieber Szeps!
Von meiner Frau und mir Ihnen und den Ihren unser
innigstes Beileid zu dem schweren Unglück", das Sie ge-
troffen hat. Ich kann mich lebhaft in Ihre fürchterliche
Lage denken und hoffe nur, daß Ihr starker Charakter und
Ihr eiserner Wille Sie aufrecht halten werden; Arbeit
wird Ihnen im Kummer Trost verleihen; doch der Schmerz
muß ein fürchterlicher sein, der ärgste, der einem glück-
lichen Vater zuteil werden kann. In diesem Moment will
ich Sie nicht mit meinen Zeilen länger plagen und meine
herzliche Anteilnahme wiederholend bin ich
Ihr
Rudolf
Wien, 7. Februar 1885
Lieber Szeps!
In den ersten Tagen des ärgsten Schmerzes, der Nerven-
abspannung nach so großen Leiden, konnte ich Sie nicht
mit diesem Briefe belästigen; vielmals danke ich Ihnen für
Ihr letztes Schreiben und für die Ubersendung des letzten
Exemplars der „Nouvelle revue".
Hier bereiten sich merkwürdige Dinge vor; wer weiß,
ob nicht ein Wechsel des Regierungssystems vor der Tür
steht. Die alten Freunde des Kabinetts Taaffe werden
immer mehr und mehr Zentralisten und im Ministerium des
Äußern gibt sich auch eine starke anti-föderalistische Stim-
mung kund.
Der Kaiser soll desgleichen mit dem Statthalter Zaleski"
sehr ungnädig gewesen sein und kleine Ursachen — große
Wirkungen, eine Geschichte mit einem Thron und Balda-
chin am Polenball" kann noch viel nach sich ziehen, doch
III
Kronprinz Rudolf
Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Title
- Kronprinz Rudolf
- Subtitle
- Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Author
- Julius Szeps
- Publisher
- Rikola Verlag
- Location
- Wien - München - Leipzig
- Date
- 1922
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.6 x 19.54 cm
- Pages
- 246
- Keywords
- Habsburger, Österreich-Ungarn, Monarchie
- Categories
- Geschichte Vor 1918