Page - 114 - in Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
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Wien vor Jahren wegen mir so angefeindeten Portois
auszulassen.
Wenn Sie Zeit haben, wäre ich sehr dankbar, wenn Sie
mich morgen um 2 Uhr nachmittag besuchen würden.
Mit den herzlichsten Grüßen
Ihr
Rudolf
Wien, 25. April 1885
Lieber Szeps!
Die Rede wurde genehmigt und ich erhielt sie auch
schon aus Budapest sehr schön übersetzt zurück.
Es ist interessant, daß das ganze Schriftstück, so wie es
ist, angenommen wurde; ich hatte es nicht erwartet. Nur
ein Wort wurde gestrichen, und das ist auch bezeichnend.
Es hieß im früheren Texte : „der neuerstarkte Staat" und
nun „neu erstarkt alle die Länder" etc. etc.; das Wort
Staat mußte wegbleiben, der ungarische Staat ist gesetz-
lich da, doch warum es sagen: man will doch noch an den
einen Staat glauben.
Die äußere Politik wird immer ernster; ich glaube, wir
gehen sehr bewegten Zeiten entgegen, es ist niemand da,
der so vollkommen imstande wäre, die Politik Europas zu
leiten. Merkwürdigerweise kann sich dieses mächtige
Deutschland mit seinem starken Kanzler denn doch nicht
hinaufschwingen zu einer wahrhaft befehlenden und leiten-
den Stellung.
Der Schwindler Napoleon III. hatte zu seiner brillanten
Zeit eine viel größere Position in der Führung der euro-
päischen Politik als heute Bismarck.
Ich weiß aus guter Quelle, daß man in Berlin keinen
Konflikt mehr will; man war froh, als Engländer und Rus-
sen in Asien Unannehmlichkeiten hatten. Doch einen
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Kronprinz Rudolf
Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Title
- Kronprinz Rudolf
- Subtitle
- Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Author
- Julius Szeps
- Publisher
- Rikola Verlag
- Location
- Wien - München - Leipzig
- Date
- 1922
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.6 x 19.54 cm
- Pages
- 246
- Keywords
- Habsburger, Österreich-Ungarn, Monarchie
- Categories
- Geschichte Vor 1918