Page - 143 - in Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
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nung kommen, denn er braucht eine starke, ungeteilte
österreichische Armee.
Das alles sind Notizen, die ich am Ballplatz gleich nach
Kissingen erfuhr. Der Wunsch Bismarcks, Kálnoky zwei-
mal zu sprechen und unseren Kaiser zu sehen und die
Art, wie er die Gasteiner Tage inszeniert hat, lassen es
als klar erscheinen, daß er etwas im Schilde führt; er
braucht uns sehr notwendig, das ist ein Faktum. Ich bitte
Sie, diese Nachrichten, die ich Ihnen zu Ihrer persönlichen
Information sende, nicht zu gebrauchen, denn es könnte,
abgesehen von Unannehmlichkeiten für mich, da niemand
anderer etwas davon weiß, auch für den Lauf der großen
Ereignisse schädlich sein, wenn Rußland allzusehr beun-
ruhigt würde.
Über Tiszas Aufenthalt in Ischl kann ich Ihnen einige
interessante Details mündlich geben, wenn Sie jetzt nach
Wien kommen werden. Ich bitte mir dann den Tag mit-
zuteilen, da ich Sie sprechen möchte.
Mit herzlichsten Grüßen
Ihr
Rudolf
Bruck, 26. August 1886
Lieber Szepsl
Besten Dank für Ihren Brief und für die Ubersendung
des Buches und der interessanten Zeitungen. Leider
konnte ich die „Revue philosophique" noch nicht lesen, da
ich sehr viel zu tun habe; besonders waren die zwei
letzten Tage anstrengend, an denen der Kaiser uns inspi-
zierte. Die bulgarische Geschichte105 ist tragikomisch; für
uns kann sie unter Umständen auch noch recht ernst
werden. Wenn man nur sichere Nachrichten über den
Aufenthalt des Fürsten Alexander und über die Vorgänge
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Kronprinz Rudolf
Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Title
- Kronprinz Rudolf
- Subtitle
- Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Author
- Julius Szeps
- Publisher
- Rikola Verlag
- Location
- Wien - München - Leipzig
- Date
- 1922
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.6 x 19.54 cm
- Pages
- 246
- Keywords
- Habsburger, Österreich-Ungarn, Monarchie
- Categories
- Geschichte Vor 1918