Page - 203 - in Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
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" Dr. Berthold Frischauer, einer der bekanntesten und be-
gabtesten Wiener Journalisten, war politischer Redakteur im „Neuen
Wiener Tagblatt" und ein intimer Freund Moriz Szeps'. Er trat dann
in das von diesem 1886 gegründete „Wiener Tagblatt" ein und wurde
später Korrespondent der „Neuen Freien Presse" In Paris. Kronprinz
Rudolf wurde mit Dr. Frischauer bekannt, befreundete sich rasch
mit ihm und blieb bis zu seinem Tod mit Dr. Frischauer in regstem
Verkehr.
" Gyula F u 11 a k y, Herausgeber der Budapester Korrespondenz,
des offiziösen „Moniteurs der ungarischen Regierung". Er stand mit
allen führenden ungarischen Politikern in ausgezeichneten Bezie-
hungen. , ,
50 Dr. Emil Holub, geboren 1847, gestorben 1902, war ein be-
rühmter Afrikareisender und brachte aus diesem Weltteil reiche
naturwissenschaftliche und ethnologische Sammlungen mit.
"Die „Wiener Allgemeine Z e i t u n g", gegründet im
Jahre 1880, stand damals unter der Leitung Dr. Theodor Herzkas.
Sie war zu jener Zeit ein Organ Adolf Fischhoffs und des Barons
Walterskirchen und verfolgte eine stark demokratische, auf die Ver-
söhnung der Nationalitäten gestellte Tendenz.
" Fürst Carlos Auersperg, Präsident des sogenannten Bürger-
ministeriums im Jahre 1867, bekämpfte die Versöhnungspolitik des
Grafen Taaffe als Führer des deutsch-böhmischen Großgrundbesitzes.
Im Jahre 1883 legte er das Amt eines Oberlandmarschalls von Böh-
men nieder. Er starb 1890.
» Julian Dunajewski, geboren 1822, Finanzminister im Mini-
sterium Taaffe und dessen hervorragendste Kapazität, Führer im
Kampfe gegen die deutsch-liberale Partei.
" Am 31. März sollte in Prag eine von den dortigen Offizieren
veranstaltete Fechtassemblee stattfinden, die jedoch kurz vor ihrer
Abhaltung vom Generalkommandierenden Baron Philippovich ab-
befohlen wurde. Diese Maßnahme erregte in Prag großes Aufsehen,
da man ihre Ursache nicht kannte. Die „Neue Freie Presse" meldete
dazu von verläßlicher Seite: Schon seit langer Zeit wollte man in Prag
beobachtet haben, daß das Offizierskorps der dortigen Garnison speziell
vonseiten des tschechischen Feudaladels nicht Jenes Entgegenkommen
finde, wie es den Traditionen entspricht. Es schien, als ob die Offiziere
von den „historischen" Herren plötzlich nicht für salonfähig gehalten
würden. Man unterließ in diesen Kreisen die sonst üblichen Einladungen
von militärischen Repräsentanten zu den Bällen und ignorierte das
Offizierskorps in einer dem Herkommen zuwiderlaufenden Weise.
Diese merkwürdige Erscheinung machte sich namentlich seit dem
vor vier Jahren in Prag abgehaltenen Offiziersball bemerkbar, den
der Kronprinz mit der Tochter des Generalkommandierenden er-
öffnet hatte. Damals hatten sich die anwesenden Herren und Damen
der feudalen Aristokratie demonstrativ des Tanzes enthalten und
wie auf eine gegebene Parole den Ball-schon um 11 Uhr verlassen.
Infolgedessen hat seitdem In Prag kein Offiziersball mehr statt-
gefunden. Dem Kronprinzen war dieses Verhalten des Adels keines-
wegs entgangen und er hatte aus seinem Mißvergnügen darüber kein
Hehl gemacht. Um so überraschter war er, als nun die dem Prager
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Kronprinz Rudolf
Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Title
- Kronprinz Rudolf
- Subtitle
- Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Author
- Julius Szeps
- Publisher
- Rikola Verlag
- Location
- Wien - München - Leipzig
- Date
- 1922
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.6 x 19.54 cm
- Pages
- 246
- Keywords
- Habsburger, Österreich-Ungarn, Monarchie
- Categories
- Geschichte Vor 1918