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282 Die heilige Jungfrau und Martyrm Cäcilia.
von der Nichtigkeit des heidnischen Götzendienstes, und von der
heit des Christenthums überzeugt, und endlich auch von dem heili^-n
Urban durch die Taufe geheiliget, und in die Gemeinschaft der Gläu:
bigen aufgenommen.
Der Stadtvogt von Rom, Turcius Almachius, wüthete mit
großer Grausamkeit gegen die Christen. Er ließ Viele todten, und
ihre Körper mußten unbecrdigt liegen bleiben. Der Kaiser Severus
war entweder um diese Zeit nicht zu Rom, um der Grausamkeit
des Stadtvogts Einhalt zu thun, oder er wurde hintergangen, indem
man gegen die Christen andere Werbrechen angab, wegen deren sie
getödtet wurden; oder endlich war er selbst nicht im Stande, der
Wuth des Verfolgers, ohne sich eigener Gefahr auszusetzen, Einhalt
zu thun. Valerian und sein Bruder Tiburtius machten sich das
angelegenste Geschäft daraus, die Leichen der heiligen Märtyrer zu
beerdigen. Sie bewiesen sich sehr freigebig gegen die Armen, und
zeichneten sich aus in andern Werken der christlichen Barmherzigkeit
und Gottseligkeit. Darüber wurden sie bei dem Stadtvogte, der
jeder guten That feind war, angeklagt. Er ließ sie vor sich stellen,
und verwies ihnen mit .großem Eifer, daß sie ihre vornehme Abkunft
entehren, und sich selbst unglücklich machen, durch die Anhänglichkeit
an die strafbare Sekte der Christen, durch die Verschwendung des
Vermögens an die niedrigsten Menschen, und dadurch, daß sie die
Leichen der bestraften Verbrecher beerdigten, wodurch sie sich als Mit-
schuldige und Theilnehmer gleicher Verbrechen bezeigten. Tiburtius
sagte zu dem Stadtvogte: „Wollte Gott, daß uns die, von denen
du sagst, daß wir ihre Vertrauten seyen, auch nur als ihre Knechte
anzusehen sich würdigten. Sie haben das Vergängliche verlassen,
und das Unvergängliche gefunden. Wir bemühen uns, ihr heiliges
Leben nachzuahmen, und ihren Fußstapfen zu folgen."
Auf alle wcitern Fragen und Drohungen antworteten die christ-
lichcn Bekcnner mit standhafter Unerschrockenheit und mit hoher christ-
licher Weisheit. Der Stadtvogt gerieth endlich in Zorn, und ließ
den Valerian grausam schlagen, worüber dieser frohlockend ricf:
„Dieses ist die Stunde, die ich sehnlichst gewünscht habe. Dieses
ist für mich ein Festtag, erfreulicher, als alle andern." So sehr
erfreute er sich, im Namen Jesu zu leiden. Während dem er ge-
peiniget wurde, ermunterte er das umstehende Volk, daß es den ein-
zig wahren Gott erkennen, und die todten, hölzernen und steinernen
Götzenbilder überall niederstürzen und zertreten solle. Auf diese Rede
sprach der Gerichtsbeisitzer Tarquinius in der Stille zum Stadtvogte:
„Benutze diese Gelegenheit (weil sie nämlich die Götter gelästert ha-
ben), und töote sie! Wenn du ihren Too verzögerst, so werden sie
noch all ihr Vermögen an die Armen geben, und für dich wird nach
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 1
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 1
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 900
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen