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Am 5. Februar. 317
der Glieder, durch Ruthenstreiche, durch eiserne Hacken, mit denen
ihre Seiten zerfleischt, und durch brennende Fackeln, mit denen sie
gebrannt wurde, auf die grausamste Weise quälen, während dessen
er ihr beständig zuredete, daß sie verläugnen und so ihr Leben er-
halten solle. Allein auch in diesen schrecklichen Martern verlor die
heilige Jungfrau ihren freudigen Muth nicht. Sie sprach: „Ich
bin in diesen Qualen hoch erfreut. Wie Einer, der eine fröhliche
Nachricht vernimmt, oder wie Einer, der auf einmal den sieht, den
er schon lange mit heißer Sehnsucht erwartet hat, oder wie der,
der unvcrmuthct einen großen Schatz findet, freue ich mich, daß ich
dieser vergänglichen Leiden gewürdigct werde." Nicht um der Mar-
ter ein Ende zu machen, sondern um sie noch grausamer fortzusetzen,
ließ der Unmensch sie von der Folterbank wegnehmen. Denn so-
bald sie weggenommen war, befahl er, sie an eine Säule anzubin-
den , und ihr die Brüste wegzuschneiden. Mit bewunderungswürdi-
gem Muthe verwieß ihm die heilige Jungfrau diese grausame That.
„Gottloser, verwegener, grausamer Tyrann! schämest du dich
nicht, so zu verfahren an dem, das dir bei deiner Mutter die erste
Nahrung verschafft hat! Ich habe indeffen noch Nahrungsquellen
in mir, die du nicht verletzen kannst, durch die alle meine Sinne,
die ich von Jugend auf Jesu Christo gewidmet habe, genährt und
bekräftiget werden," den Glauben, die Zuversicht, die Gnade. Jetzt
wurde sie in's Gefängniß zurückgebracht, und das strenge Verbot
gegeben, daß ihr keine Labung, noch viel weniger eine Linderung ih-
rer Schmerzen durch Arzneimittel zugelassen werden sollen.
Gott ist seinen treuen Verehrern überall nahe, und laßt das
Vertrauen, das sie auf ihn setzen, nicht zu Schanden werden. Nach
der Absicht des grausamen Statthalters sollte Agatha in dem Ge-
fängnisse hilftos verschmachten. Allein Gott errettete seine Dienerin.
Himmlisches Licht erfüllte den dunkeln Ort des Gefängnisses. Durch
einen Engel des Himmels wurde Agatha getröstet, und auch von
allen ihren körperlichen Wunden gehcilet, so daß sie mächtig gestärkt
im Geiste, und mit ganz unverletztem Körper da stand. Frohlockend
dankte sie Gott für diese Gnade, die er an ihr gethan hatte. Die
Wache des Gefängnisses war durch die Erscheinung des himmlischen
Lichtes in solches Staunen und in so großen Schrecken versetzt, daß
die Gefangene ungehindert aus demselben hätte entweichen können;
allein sie wollte die nahe Martcrkrone nicht verlieren.
Quintianus erfuhr, was mit Agatha im Kerker vorgegangen
sey. Er war aber zu sehr verblendet, als daß er daran die Macht
des einzig wahren Gottes erkannt hätte, vielmehr schrieb er die Er-
haltung und die so wundervolle Heilung der heiligen Jungfrau den
Zauberkünsten zu, deren die Christen immer beschuldigt wurden.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 1
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 1
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 900
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen