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378 Dcr heilige Gregor, der Wunderthäter.
Verschiedene Heiden boten ihm Wohnung an, aNein er folgte der
Einladung eines ansehnlichen Christen, der Muson hieß.
Nicht nur in Neocäsarca, sondern auch in der ganzen übrigen
Landschaft Pontus genoß Gregor die Liebe und das vollkommenste
Vertrauen der Christen. Die Gläubigen verschiedener Städte baten
ihn um Bischöfe. Auch die Stadt Camana in Pontus ordnete Ge-
sandte an ihn ab, um von ihm einen Obcrhirten zu erhalten. Er
reisete hin in diese Stadt, und entstammte den Eifer der Gläubigen
durch Reden und Thaten. Als er aber bemerkte, daß man bei der
Auswahl der Männer, die man ihm, für das bischöfliche Amt vor-
schlagen wollte, nur auf edle Geburt, auf Wissenschaften und große
Geistesgaben sehe, erinnerte er, daß man auch Männer von gerin-
gem Stande in Vorschlag bringen solle, indem man vor allem an-
dern auf Gottseligkeit schen müsse, sollte auch der, welcher diese
hätte, unter den geringsten Gläubigen gefunden werden. Darüber
wollte Einer der Anwesenden einen Scherz machen, und rief aus:
„Wenn es so ist, so rathe ich, daß Alexander, der Kohlenbrenner
gewählt werde. Wir werden alle dieser Wahl beistimmen." Der
Bischof fragte: „Wer ist dieser Alexander?" «Hier ist er," antwor-
tete Einer aus der Versammlung, und stellte ihm einen Menschen
vor, der halb nackt, und halb mit schwarzen Lumpen bedeckt war.
Seine Hände und sein Gesicht waren schwarz von seiner Kohlenarbeit.
Alexander stand unerschrocken und ruhig vor dem heiligen Bischöfe
da, und während die Umstehenden lachten, glaubte dieser in Alexan-
der etwas Vorzügliches zu entdecken. Er nahm ihn deßwegen auf
die Scite, und fragte ihn, wer cr sey? Alexander offenbarte sich ihm
mit jenem Vertrauen, welches ein Heiliger einem Kinde Gottes ein-
siö'ßt. Er gestand ihm, daß cr nicht aus Noth diese Lebensweise
erwählt habe, sondern um desto unbemerkter in christlicher Tugend
sich zu üben. „Ich sehe," sprach er, „diesen Kohlenstaub als eins
Larve an, die mich dem Anblicke der Welt entzieht. Ich bin jung
und gut gebildet, diese Vorzüge möchten mir zum Fallstricke gereichen,
da ich mich vollkommener Enthaltung zu widmen wünsche. Mein
Handwerk nährt mich auf unschuldige Weise." Gregor unterhielt
sich noch eine Weile mit ihm, erkannte seine großen Vorzüge, und ließ
ihn durch ein Bad reinigen, und anständig kleiden. Während dieses
geschah, kehrte cr zur Volksversammlung zurück, und hielt eine Rede
über die Eigenschaften eines Bischofes.' Nun erschien Alexander als
ein ganz anderer Mensch. „Wundert euch nicht," sprach Gregor,
.,wcnn ihr euch geirret habet an diesem Manne, den ihr nach sinn-
lichen Eindrücken beurtheiltet." Alexander wurde zum Bischöfe von
Ccnnana geweiht, stand mit Würde und mit Heiligkeit seinem aposto-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 1
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 1
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 900
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen