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Am 11. Oktober. 532
Pfähle festbinden, durch grausame Schläge mit Ochsensehnen seinen
Rücken zerfleischen, und die Wunden mit Salz cinrciben; dann den
christlichen Bekenncr umwenden, und auf gleiche Weise ihn auch an
dem Bauche mißhandeln. Darauf sprach Andronicus zu dem Statt-
halter: „Du hast auch bei dem ersten Verhöre meinen Körper ver-
wunden lassen, und sieh, ich stehe ganz gesund vor dir." Noch ein-
mal wurde der Bckenner aufgefordert, den Göttern zu opfern, und
als er unerschütterlich blieb, wieder in's Gefängniß geführt.
Das dritte Verhör der drei christlichen Bekenner wurde in der
Stadt Anazarbus in Cilicien vorgenommen. Wie die vorigenmale
wurde auch dießmal zuerst Tarachus, dann Probus und endlich An-
dronicus vor den Richtcrstuhl gebracht. Von Seite des Statthal-
ters wurden die Ausforderungen zu opfern, verbunden mit den hef-
tigsten Drohungen, und von Seite der Bckenner muthvollcr Wider-
stand , und unerschütterliche Standhaftigkeit auf dem heiligen Be-
kenntnisse wiederholt. Durch noch grausamere Martern, als er sie
ihnen bei dem ersten und zweiten Verhöre hatte anthun lassen, hoffte
der Statthalter endlich doch ihre Standhaftigkeit zu besiegen; allein
seine Hoffnung ward so sehr getäuscht, daß vielmehr mit jeder neuen
O.ual ihr Muth noch mehr erhöht wurde. Tarachus wurde an die
Folterbank gehängt, und an den Füßen mit Gewicht beschwert, so
daß sein Körper auf die schmerzlichste Weise auseinander gedehnt
wurde. Unter den Achseln, in den Seiten und an verschiedenen an-
dern Theilen des Leibes ward er mit glühenden Eisen gebrannt.
Man schnitt ihm die Ohren weg, scheerte sein Haupt kahl, riß die
Haut von demselben, und legte glühende Kohlen darauf. Unbe-
schreiblich war die Qual, die der Märtyrer duldete. Aber nicht ei-
nen Augenblick wankte er in seinem Bekenntnisse, sondern blieb frohen
Muthes. Endlich wurde Tarachus verurtheilt, bei'm nächsten Kampf-
spiele den wilden Thieren vorgeworfen zu werden, und wieder in's
Gefängniß zurückgebracht. Den Probus ließ der unmenschliche Maxi-
mutz an dcn Füßen binden, auf solche Weise in die Höhe ziehen,
und seine Seiten und seinen Rücken bis auf das Gebein mit glü-
henden Eisen verbrennen. Auf gewaltsame Weise wurden ihm Wein
und Fleisch von dem Opfertischc in dcn Mund gethan. Dabei rief
cr aus: „Gott sieht von dem Throne seiner Herrlichkeit auf mich
herab. Er sieht, daß ich Gewalt leide. Er wird, was jetzt ge-
schieht, mir nicht zur Schuld rechnen, denn er kennt meinen Willen."
Jetzt wurden glühende Eisen auf seine Waden gelegt. Bald darauf
durchbohrte man seine Hände mit glühenden Nägeln, und stach ihm
endlich die Augen aus, worauf cr zu dem Statthalter sprach: „Sieh,
du hast nun auch die Augen meines Körpers zerstört, aber erwarte
ja nicht, du grausamer Tyrann! daß du mich auch meines innern
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 1
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 1
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 900
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen