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556 Die heilige Katharina, Jungfrau und Mattyrm.
sich auf Umstände, deren Richtigkeit nicht erwiesen ist. In ihrem
achtzehnten Jahre war Katharina ein Muster von Heiligkeit und
Weisheit. Die Weisesten ihrer Waterstadt soll sie an Kenntnissen
übertreffen haben. Als sie die schamlosen Mißhandlungen erfuhr,
welche ehrbare Frauenzimmer ausstehen mußten, und sehr viele Chri-
sten >auf Befehl des Maximius grausam martern, und alle Lcidrn,
sowie den Tod selbst, standhaft erdulden sah, ward sie heftig in ih-
rem Gemüthe bewegt. Bon heiligem Unwillen ergriffen, ging sie
zum Cäsar hin, als er eben einer abergläubischen Opfcr^remonie
^eiwohnte, stellte sich kühn vor sein Angesicht, warf ihm eben so
nachdrücklich als muthvoll die Grausamkeit vor, die er an den Chri-
sten verübe, und sprach mit weiser Bcredtsamkeit von der Wahr-
heit des heiligen Glaubens, sowie von der Thorheit des Götzen-
dienstes. —
Maximin staunte über ihren Muth, und mit ihm bewunderten
auch alle Anwesenden ihre große Vercdtsamkeit. Es lag ihm daran,
den Eindruck, welchen ihre gründlichen Vorstellungen auf Viele ge-
macht hatten, auszulöschen, und deßwegen ihre allgemein gerühmte
Weisheit zu beschämen. Zu diesem Ziele setzte er einen Tag fest,
an welchem sie mit gelehrten Männern öffentlich disputiren sollte.
Fünfzig der berühmtesten Wcltwcisen ließ er auf diesen Tag zusam-
menkommen, und setzte große Belohnung für denjenigen aus, der sie
überwinden, durch seine Beweise von dem christlichen Bekenntnisse
abwendig machen, und zum Götzendienste zurückführen winde. Allein
der Erfolg entsprach eben so wenig seiner Erwartung, als der Ein-
bildung , welche jeder der zusammenberufenen Gelehrten von seiner
eigenen Weisheit hatte. Diese richteten nicht nur mit ihr nichts
aus, sondern alle mußten, tief beschämt, sich von der geistvollen
Jungfrau überwunden bekennen, und mehrere von ihnen (einige Ge-
schichtschreiber sagen „Alle") wurden durch die gründlichen Beweise,
und durch ihre kräftige Bcredtsamkcit, so sehr für die christliche Re-
ligion eingenommen, daß sie keinen Anstand nahmen, sich zu dersel-
ben laut zu bekennen. Der hierüber aufs höchste erbitterte Mari-
min ließ sie auf der Stelle hinrichten. In ihrem Blute fanden sie
das Bad der heiligen Wiedergeburt.
Maximin nahm jetzt zu Schmeicheleien und zu glänzenden Ver-
heißungen seine Zuflucht. Nicht erkennend die Kraft des Geistes
Jesu Christi, rechnete er auf die gewöhnliche Eitelkeit des weiblichen
Herzens, und hoffte auf diesem Wege die heilige Katharina in ihiem
Glauben wankend zu machen. Aber er sah in seiner Hoffnung sich
getauscht. Darüber ergrimmt, ließ er sie mit Ruthen hart züchti-
gen , und mit Bleikolbcn grausam schlagen. Darauf wurde sie in
den Kerker geworfen, in der Erwartung, daß sie da, durch schmer-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 1
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 1
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 900
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen