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732 Der heilige Ambrosius, Erzbischof zu Mailand :c.
Angesicht mit Streichen mißhandelt ward, im Tode für Jesum Chri:
stum zeugte. Paulinus erzählt, Ambrosius habe, da er bemerkte,
daß von seiner Mutter und Schwester, und von einer andern Jung-
frau, die im Hause lebte und Candida hieß, nach damaliger Sitte
den Bischöfen und Priestern, wenn sie in das Haus kamen, die
Hand geküßt werde, als kleiner Knabe scherzweise dcr Candida auch
die Hand zum Kusse hingereicht, mit der Aeußerung, es gezieme sich,
daß dieses geschehe, weil er ein Bischof werden würde.
Ambrosius erwarb ''ich frühe die Achtung ausgezeichneter Man:
ner, insbesondere auch die des Anicius Probus, eines sehr angesehe-
nen Mannes, der ein Christ war, und zu Anfang des Jahres 309
zum Präfcktus Pratorio (Marschall) von Italien ernannt wurde.
Dieser horte den noch jungen Ambrosius mit seltener Gcschicklichkeit
Rechtssachen vor seinem Richtcrstuhlc führen, weßwcgen er ihn zum
Beisitzer seines Rathes berief, und ihn nach kurzer Zeit zum Land-
vogt der Landschaften Emilia, Liguria, und Isubria (des Herzog-
thums Mailand, Piemonts, des Gebiets von Genua und Bologna)
ernannte. Als Probus ihn in dieses Amt einsetzte, gab er ihm die
Erinnerung, daß er es nicht sowohl als Richter, wie als Bischof,
d. i. nicht mit Strenge, sondern mit väterlicher Milde verwalten
solle. Dieses ward nachher als eine Vorbedeutung auf das bischöf-
liche Amt des heiligen Ambrosius angesehen.
" Der arianische Erzbischof von Mailand, Aurentius war gestor-
ben , und es sollte jetzt ein neuer Bischof für diese Kirche erwählt
werden. Die Ariancr, deren Anzahl nicht klein war, wollten einen
von ihrer Partei, die Katholischen dagegen einen Rechtgläubigen auf
diesen Stuhl befördert sehen. Eine große Menge Volkes war in
der erzbischöflichm Kirche zu Mailand zur Wahl versammelt. Die
Gährung beider Parteien war aufs Höchste gestiegen, und daher
Aufruhr und Mord zu besorgen, als Ambrosius im Berufe seines
Amtes auftrat, und mit Ernst und Würde zur Ordnung crmahnte.
Die Parteien vereinigten sich auf eine ihm eben so unerwartete, als
unwillkommene Weise. Auf einmal erhob sich das einstimmige Ge-
schrei: „Ambrosius Bischof!« Ein Kind soll zuerst diese Worte aus-
gerufen haben. Das Volk wiederholte, wie mit einer Stimme, daß
es nur ihn zum Bischöfe wolle; daß nur dann Eintracht und Ein-
heit des Glaubens zu erwarten, wenn Ambrosius ihr Bischof sey.
Ambrosius war höchst betroffen, und entzog sich der ungestümen
Menge, indem er sich aus der Kirche entfernte. Er war schon 34
Jahre alt, aber noch nicht getauft, sondern Katechumen; er schau-
derte deßwegen noch mehr zurück, das furchtbare apostolische Amt zu
übernehmen. Er war entschlossen, sich demselben zu entziehen; dazu
wählte er aber Mittel, die sich nicht rechtfertigen lassen, sondern der
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 1
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 1
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 900
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen