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778 Der heilige Innocentius, Papst.
ohnmächtiger, und näherten sich mit schnellen Schritten, dieses noch
früher, als jenes, dem gänzlichen Umstürze.
Am Ende des Jahres 406 ergoffen zugleich mit wilden Ala-
nen sich Vandalcn, Burgunder, Suevcn und andere deutsche Wölker
über Gallien. In Britanien riefen die Soldaten einen gewissen Con-
stantius zum Kaiser aus, der mit einem Kriegshcere ebenfalls nach
Gallien herüber zog, und die Verheerung dieses Landes vergrößerte.
Auch Spanien ward seiner Herrschaft unterworfen. Im Jahre 408
zog der gothische König Alarich mit einem Kriegsheer durch Italien
geradezu auf Rom, und schloß die Stadt ein von allen Seiten.
Die Bestürzung der Römer war unbeschreiblich. Es fehlte bald an
Lebensmitteln; der Hunger raffte Tausende dahin, und da die Lei-
chen nicht aus der Stadt konnten geführt werden, entstand die Pest.
Die Römer mußten zur Lösung der Stadt, dem Alarich eine große
Summe gestatten, und Geiseln auszuliefern verheißen. Alarich zog
ab, und lagerte sich mit seinem Heere in Hetrurien (Toscana), und
erwartete da den Vollzug des abgeschlossenen Vertrages. Da aber
dieser von dem schwachen Kaiser Honorius verzögert wurde, zog er
zum zweitenmal nach Rom, welches nicht ohne Grund seinen Unter:
gang befürchten zu müssen glaubte, und deßwegen eine Gesandtschaft
an den Kaiser schickte, um ihn zu bitten, Friede zu machen mit Ala-
rich. Innocentius, der Papst, ging selbst mit diesen Gesandten,
denen Alarich schützendes Geleite gab. Es wurden zu Rimini Un-
terhandlungen mit Alarich angeknüpft, während welcher aber diesem
unvorsichtiger Weise ein Brief des Kaisers gezeigt wurde, durch des-
sen Inhalt er sich und sein Volk für beleidiget hielt. Erglüht vom
Zorn brach er auf nach Rom. Der Papst Innocentius mußte in
Ravenna bleiben, weil ihm die Rückkehr nach Rom durch die Go-
then versperrt ward. Gewiß hat der würdige Oberhirt durch die
Trennung von seiner, in grauenvoller Belagerung geängstigten Hcerde,
mehr gelitten, als wenn er mit ihr dieselbe erduldet hätte. Er war
im Geiste bei ihr beständig gegenwärtig, und impfte für sie in an-
haltendem Gebethe.
Am 24. August 4W drang Alarich bei Nacht durch das Salz-
thor in Rom ein. Doch gab er zuvor Befehl, daß keiner der Ein-
gebornen sollte angetastet werden, der in eine Kirche fliehen würde,
und daß besonders die beiden, nach den Aposteln Petrus und Pau-
laus benannten Kirchen sichere Zuflucht gewähren sollten. Zwar gab
er die Habe der Plünderung preis, doch befahl er seinen Gothen,
so vicl als möglich, sich des Blutes zu enthalten. Gleichwohl wü-
thete Feuer und Schwert in der unglücklichen Stadt. Groß war
die Zahl der Erschlagenen. Viele Häuser wurden eingeäschert, und
nicht wenige Menschen gefoltert, ihre Schätze zu entdecken. Unter
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 1
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 1
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 900
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen