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Am 24. December. 855
war kurz vor dem Feste der Geburt des Herrn ge-
storben. Wenige Tage nach diesem Feste erschien sie, in einem
nĂ€chtlichen Gesichte, ihrer Schwester Aemiliana und sprach: âKomme,
damit ich, da ich am Gcburtsfeste des Herrn von dir getrennt war,
den Festtag der Erscheinung gemeinschaftlich mit dir begehen könne."
Aemiliana, besorgt fĂŒr die Schwester Gordiana, antwortete: âWenn
ich allein zu dir komme, wem soll ich unsere Gordiana ĂŒbergeben?"
Tharsilla's Gesicht trĂŒbte sich, und sie sprach: âKomme du, denn
unsere Schwester Gordiana gehört den Weltkindern an." Aemiliana
fĂŒhlte sich bald nachher, als sie dieses Gesicht gehabt hatte, krank.
Die Krankheit nahm zu, und sie starb noch vor dem Feste der
Erscheinung des Herrn.
Gordiana lieĂ sich, als sie sich von der schwesterlichen Obhut
befreit sah, mit jedem Tage mehr von irdischer Gesinnung beherr-
schen, und fĂŒhrte endlich die Neigung aus, die lange schon in ihrem
Innern verborgen war. Beseitigend alle Gottesfurcht, nicht achtend
auf Ehre und Schande, brach sie das heilige GelĂŒbde, und verehe-
lichte sich mit dem PĂ€chter ihrer GĂŒter. âNachdem der heilige Gre-
gorius dieses erzĂ€hlt hat, spricht er weiter: âSieh' alle drei haben
sich Anfangs mit dem gleichen Eifer zu Gott gewendet, aber nicht
alle sind in dem gleichen Eifer verharrt: weil, wie der Herr sagt,
viele berufen sind, aber wenige auserwÀhlt. Ich habe dieses vor-
getragen, damit nicht Jemand, der zum Guten sich gewendet hat,
sich selbst die KrÀfte zum Guten zuschreibe, oder auf seine eigenen
KrÀfte vertraue. Jeder mag wohl wissen, was er heute sey; was
er aber Morgen seyn werde, das weiĂ Keiner. Niemand erfreue sich
also des Guten, als wÀre er dessen schon sicher, so lange er in die-
sem schwachen Fleische wandelt, kennt er ja das Ende nicht." Nun
fĂŒhrt Gregorius ein GegenstĂŒck von dem an, was er von der Gor-
diana erzĂ€hlt hatte: âEin junger Mensch, Theodorus, folgte seinem
Bruder in das nĂ€mliche Kloster, in welchem in frĂŒhern Jahren auch
Gregorius war. Das Kloster, die klösterliche Zucht, die geistlichen
Uebungen wurden ihm bald zum höchsten Ueberdrusse. Er ĂŒberlieĂ
sich seinem eigenen Willen, und verĂŒbte mancherlei Ausschweifungen.
Die Ermahnungen zur Besserung wies er mit Unwillen von sich,
weĂwegcn sie fruchtlos blieben. Er ward allen seinen MitbrĂŒdern
zur gröĂten Beschwerde, und einzig seines Bruders wegen, der ein
gottseliger Mönch war, wurde er in der Genossenschaft geduldet.
Endlich ward er von einer Krankheit befallen, die so gefÀhrlich
wurde, daĂ man an keine Genesung mehr dachte. Die Ă€uĂern
Gliedmassen waren schon ganz erstorben, die Brust allein zeigte
noch einige LebenswÀrme. Die Mönche waren um das Sterbebette
versammelt im Mbethe, von Gott Barmherzigkeit fĂŒr den
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 1
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 1
- Author
- Anton MĂ€tzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 900
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen