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136 Der heilige Martinus, Papst und Märtyrer.
Der heilige Martinus mußte im Gefängnisse des Diomedes bei:
nahe drei Monate bleiben. Nach Verlauf dieser Zeit kam der Schrei-
ber Sagoleva zu ihm, und sagte, daß er Befehl habe, ihn aus
demselben in sein Haus zu führen, und nach zwei Tagen dahin zu
schicken, wohin der Schatzmeister befehlen würde. Als die, welche
bei dem Papste im Gefängnisse waren, dieses hörten, wurden sie mit
Traurigkeit erfüllt, und vergoßen häufige Thränen. Martinus allein
behielt frohen Muth. Er tröstete die tief Bekümmerten, und sagte
unter anderm zu Einem, indem cr ihn umarmte: „Du mußt dich,
mein Bruder, nicht betrüben, sondern vielmehr über mein Glück er-
freuen; denn dieses Alles ist gut, und mir nützlich." Zwei Tage
darauf, am 13. März 655 wurde er insgeheim zu Schiffe gebracht,
und nach Lhersonesus in die Verbannung geschickt. Dieß war der
Ort, wohin große Verbrecher verwiesen wurden, so unfreundlich, und
unfruchtbar, daß weder Oel, noch Getreide, noch Wein wuchs, be-
wohnt von wilden und größtentheils heidnischen Völkern.
Der heilige Martinus litt an dem Orte seiner Verbannung na-
menlose Drangsal, blieb aber, wie bisher, in allen seinen Leiden un-
erschüttert, in dem fortwährenden Hinblicke auf Den, der ganz un-
schuldig sich lästern, mißhandeln, und zum Heile der Menschen tod-
ten ließ, der da gesagt hat: „Wer mein Schüler seyn wil l , der
nehme das Kreuz auf sich, und folge Mir nach!" «Es kann dem
Knecht nicht besser gehen, als dem Herrn!" Er vollendete sein Le-
ben in der Verbannung am 16. September des Jahres 655. Als
ein starker Kämpfer für den wahren Glauben, und als ein glorwür-
diger Märtyrer ging er zur ewigen Ruhe, dort die Seligkeit zu em-
pfangen, die der Herr denen verheißen hat, die um der Gerechtigkeit
willen Verfolgung leiden. Sein Leichnam wurde eine Vicrtelmeile
von der Stadt, welche jetzt Krimm, in der kleinen Tartarci, heißt,
begraben, bald darauf nach Constantinopel, und in der Folge nach
Rom gebracht, wo er mit großer Ehrerbietung in der dem heiligen
Sylvester und dem heiligen Martin von Tours gewidmeten Kirche
beigesetzt wurde.
„Ich halte dafür, daß die Leiden dieser Zeit mit der künftigen
herrlichen Glückseligkeit, die an uns offenbar werden soll, nicht ver-
glichen werden können. Haltet es daher für euer größtes Glück,
wenn ihr in mancherlei Widerwärtigkeiten gerathet, damit durch diese
Probe euer Glaube viel vortrefflicher, als im Feuer geläutertes Gold
befunden werde. Entzücket von der unaussprechlichen und herrlichen
Freude werdet ihr seyn, wenn ihr endlich die Belohnung eures Glau-
bens, die völlige Errettung eurer Seele erhaltet."
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen