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Die heilige Gertrudis, Jungfrau und Äbtissin.
(Am I?. März.)
Die heilige Gertrudis war eine Tochter Pipins, ersten Her-
zogs in Brabant, und Major Domus (Obersthofmeistcr) der
austrasischen Könige, geboren im Jahre 631 zu Nivella, einem
Städtchen in Brabant. Ihre Mutter hieß Itta. Beide Eltern wa-
ren der christlichen Religion mit großem Eifer ergeben, ausgezeichnet
durch Gottesfurcht und heiligen Wandel. Sie hatten drei Kinder,
den Grimoald, Haushofmeister des Königs Siegebcrt, die Begga,
Gemahlin des Ansigisilus, eines Sohnes des heiligen Arnulph, und
die Gertrudis. Der gottselige Sinn der Eltern theilte sich auf die
erfreulichste Weise den Kindern mit. Insbesondere wuchs die Ger-
trudis unter der treuen Pflege ihrer frommen Mutter zum holden
Mädchen heran voll Unschuld und Herzensgüte, voll der kindlichen
Ehrfurcht gegen Gott, und der zärtlichsten Liebe gegen den Erlöser
Jesus Christus, dem sie in frühen Jahren schon ihr ganzes Herz in
reiner Unschuld weihte. Ihr Water Pipin veranstaltete ein köstliches
Gastmahl, bei welchem der König Dagobert und viele Andere vom
höchsten Range zugegen waren. Der Sohn eines austrasischcn Her-
zogs trug bei demselben die Bitte vor, daß ihm die Gertrudis zur
künftigen Gemahlin verheißen werde. Der König sowohl, als der
Water, waren geneigt, der Bitte Gehör zu geben, weil sie diese
Vermählung dem beiderseitigen Range angemessen, und zur Befesti-
gung der Eintracht zwischen zwei der angesehensten Familien ersprieß-
lich fanden. Auf Verlangen Dagoberts wurden Mutter und Tochter
zur Tafel gerufen. Als sie erschienen waren, fragte der König in
schmeichelndem Tone die Gertrudis, ob sie nicht den jungen Herrn,
der da in Gold und Seide so herrlich prange, zu ihrem künftigen
Gemahl haben möchte? Gertrudis, obgleich erst zehn oder zwölf
Jahre alt, antwortete mit ruhiger Besonnenheit und mit großem
Ernste: „Ich will weder diesen, noch einen andern zum Gemahl ha-
ben, weil Christus mein einzig geliebter Bräutigam ist." Der Kö-
nig und die andern Anwesenden staunten über den frommen Eifer
des zarten Mädchens, und zweifelten nicht, daß Gott demselben solche
Gesinnung in das Herz, und diese Antwort auf die Zunge gelegt
habe. Die Eltern, weil sie selbst gottselig waren, freuten sich innigst
der so frühen Gottseligkeit ihrer Tochter.
Gertrudis war erst vierzehn Jahre alt, als ihr Vater Pipin
starb. Ihre Mutter Itta blieb im Wittwenstande, und verdoppelte
nun ihre Sorge für die geliebte Tochter, welche mit kindlichem Ver-
trauen der frommen Führerin folgte, und mit jedem Tage noch
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen