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138 Die hellige Gertrudis, Jungfrau und Äbtissin,
eifriger bemüht war, den Willen Gottes in Allem zu erfüllen. Täg-
lich berathschlagte die Mutter mit sich selbst über ihre eigene künftige
Lebensweise, und über die Bestimmung ihrer Tochter Gertrud. Da
kam eines Tages zu ihr der heilige Amandus, Bischof von Utrecht,
ein apostolischer Mann, der in verschiedenen Provinzen, und ganz
vorzüglich in den Niederlanden, zur Verbreitung des Reiches Gottes
eben so angestrengt als kraftvoll wirkte, und dessen kirchliche Ge-
dächtnißfeier am 6. Februar begangen wird. Der Bischof erweckte
bei der Mutter Itta sowohl, als bei ihrer Tochter Gertrud den Ent-
schluß, von der Welt sich loszureißen, und in klösterlicher Einsamkeit
dem Dienste Gottes sich zu widmen. Die fromme Itta empfing von
Amandus den Schleier, d. i. die Einweihung zum klösterlichen Le-
ben, und machte sogleich Anstalt zu dem Baue eines Klosters, in
welches ihre eigene Wohnung umgeändert werden sollte. Sehr viele
und große Schwierigkeiten stellten sich diesem Unternehmen entgegen;
aber alle wurden durch die unerschütterte Standhaftigkeit, und durch
die ausharrende Geduld der frommen Mutter, und ihrer gottesfürch-
tigcn Tochter unter Gottes Beistand besiegt. Es versammelten sich
bald mehrere gottesfürchtige Weibspersonen um die Itta, bestimmten
sich zum Klostcrstande, und erwählten sie zu ihrer Vorsteherin. Vor-
züglich schwer war der Kampf, den die gottesfürchtige Gertrud zu
bestehen hatte, gegen die Zudringlichkeit derjenigen, welche sie zum
Ehestande bereden wollten, und derer, welche ihre Hand zu erhalten
sich bemühten. Als jene, wie diese, ihre Bemühungen fruchtlos, und
alle angewendeten Kunstgriffe vereitelt sahen, wurden Anschläge zur
Entführung der zarten Jungfrau gemacht. Die Mutter erzitterte
vor solcher Gefahr, und beschleunigte deßhalb die Aufnahme derselben
in ihr Kloster, indem sie mit eigener Hand ihr die Haupthaare, wie
es Sitte war, in einen Kranz schor, und dadurch der Welt sich ent-
zog. Gertrud war darüber hocherfreut, indem ihr heißester Wunsch
jetzt erfüllt war, losgerissen von der Welt ganz und ungetheilt dem
Dienste Gottes sich widmen zu können. Der Kranz auf ihrem Haupte
war ihr das erfreulichste Sinnbild der Krone des ewigen Lebens,
welche denen verheißen ist, die sich von dem Verderben der Welt
unbefleckt erhalten. Bald darauf wurde sie durch des Priesters Hand
feierlich eingesegnet, und von ihrer Mutter zur Gehilfin in der Re-
gierung des Klosters bestimmt; denn sie war ausgezeichnet durch voll-
kommenen Wandel, durch Mäßigung, durch Bescheidenheit und durch
reifen Ernst, voll Liebe, von schönem Angesichte, aber von noch viel
schönerem Gemüthe; vollkommen in der Keuschheit, wohlthätig, an-
haltend in den Uebungen des Gebethes und des strengen Fastcns;
zärtlich besorgt für die Armen und Fremdlinge, für die Kranken und
Alten; pünktlich in Handhabung der klösterlichen Zucht und Ordnung
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen