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Am 17. März< 139
von Seite der jüngern Mitschwcstern, und vorzüglich wachsam auf
alles Geräthe, das zum Gottesdienst gebraucht wurde. Mit großer
Sorge verschaffte sie von Rom dem Kloster verschiedene Schriften,
theils zur Erbauung der Klostcrbewohnerinncn, theils zum Gebrauche
für den Gottesdienst, und zog weise und fromme Männer herbei,
welche über dieselben dcn erforderlichen Unterricht ertheilten.
Zwölf Jahre nach dem Tode ihres Gemahls Pipin starb die
fromme I t ta , in einem Alter von sechzig Jahren. Die ganze Last
der Regierung des von ihr gestifteten Klosters siel jetzt auf die Ger-
trudis. Bald aber übergab sie die Besorgung der zeitlichen Angele-
genheiten den Mönchen, die in der Nähe wohnten, um desto unge-
störter den heiligen Uebungen des Gebethes und der Betrachtung
obliegen zu können; dabei setzte sie jedoch fort ihre mütterliche Mild:
thätigkeit gegen Arme, Wittwen, Waisen, Kranke und Gefangene.
Der Lesung und Betrachtung der göttlichen Bücher widmete sie sich
so unablässig, und mit solcher Aufmerksamkeit, daß sie den größten
Theil derselben auswendig wußte. Fast immer brachte sie auch ei-
nen großen Theil der Nacht im Gebethe, oder mit geistlicher Lesung
zu. Keine Ausgabe schien ihr zu groß, wenn durch sie die Ehre
Gottes und das Heil der Menschen befördert werden konnte. Meh-
rere Kirchen verdankten ihre Entstehung dieser frommen Äbtissin.
Gott offenbarte die Heiligkeit seiner Dienerin durch einen leuchtenden
Kranz, den er ober ihrem Haupte, als sie vor dem Altare des hei:
Ugen Xistus bethete, im Angestchte der Schwestern, erscheinen ließ,
und durch wunderbare, nämlich augenblickliche, Erhörung ihres Ge-
bethes.
Als die heilige Gertrudis aus der Abnahme ihrer Kräfte be-
merkte, daß ihr Lebensende sich nähere, übergab sie die Leitung des
Klosters der Wilfctrudis, zog sich von allen Geschäften zurück, und
riß sich von jeder Zerstreuung los, um nur allein im Umgänge mit
Gott und Jesus Christus ihre letzten Lebenstage zuzubringen, und
auf ein seliges Ende sich vorzubereiten. Ihre Entkräftung nahm mit
jedem Tage zu, so, daß sie die letzten fünfzig Tage das Bett nicht
mehr verlassen konnte. Mit der Schwache des Körpers mehrte sich
die Stärke ihres Geistes, der in der innigsten Vereinigung mit Gott,
durch Glauben und Zuversicht, jetzt schon einen Theil der Seligkeit
genoß? die im ewigen Leben ihr bald zu Theil werden sollte. Noch
mehr als in den gesunden Tagen zeigte sich thätig ihre Liebe zu den
Hilfsbedürftigen und Armen, denen sie fortwährend die reichlichsten
Almosen austheilen ließ. Sie befahl auch die Schuldforderungen
auszulöschen, die sie bei Manchen derselben hatte. Während ihres
Krankenlagers verschmähte sie jede Bequemlichkeit, welche die Liebe
der Mitschwestern ihr verschaffen wollte. Sie legte das härene Buß-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen