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Am 12. Dezember, 151
Verlangen, sich von der Welt ganz zurückzuziehen, und in stiller
Einsamkeit zu leben. Dieses Verlangen ward endlich so heftig, daß
er dessen Ausführung länger nicht mehr verschieben wollte. Er ging
zu Hajmo, eröffnete ihm seinen Entschluß, und bat um die Einwil-
ligung zur Ausführung desselben. Sehr schwer fiel es dem Herzoge,
den gottesfürchtigcn Priester zu entlassen; er glaubte aber dem srom,
nien Entschlüsse desselben nicht widerstreben zu dürfen. Er selbst
ging mit Iodokus in die nahe gelegene Wüste, da einen angemesse-
nen Platz zu dessen künftigen Aufenthalt zu finden. Sie wählten
einen Ort , welcher Brahik hieß, und in der Folge als ein schönes
Dorf mit einem Priorate unter dem Namen la Broje bekannt war.
Hier erbaute Iodokus, unterstützt von dem Herzoge Hajmo, ein
Kirchlein, und neben demselben eine kleine Wohnung für sich selbst,
und für seinen Schüler, Wulmarus, der ihm in die Einöde gefolgt
war. Mit heiligem Eifer lag er nun fortwährend dem Gebethe,
der Betrachtung und der Lesung heiliger Bücher ob; täglich belebte
er seinen Eifer durch die Entrichtung des hochheiligen Opfers, und
durch dcn Genuß des Brodes des Lebens. Seine Sinnlichkeit be-
zähmte er durch strenges Fasten, durch Wachen und durch andere
Abtödtungen. Die unschuldigste Unterhaltung verschafften ihm die
Vögel seines Waldes, und die Fische des nahe gelegenen Flusses
Altria. Er fütterte sie, und machte sie dadurch so zahm, daß sie
schaarenwcise sich versammelten, und die Nahrung aus seiner Hand
empfingen. Da erhob sich jedesmal seine reine Seele zur Lobprei-
sung der Weisheit, der Macht, der Güte und der Liebe dcs Schö-
pfers, da sang er freudig dem heiligen Sänger nach:
»Es harret Alles Dcin, daß Du
Zu seiner Zeit ihm Speise gebest.
Du gibst, sie sammeln cm.
Du öffnest Deine Hand, sie wcrdcn Gutes satt."
Ps. 103, 27.
Acht Jahre blieb Iodokus an diesem Orte. Da aber der Zu-
lauf der Menschen von Tag zu Tag größer, sowie der Ruf seiner
Gottseligkeit ausgebreitet wurde, beschloß er mit Einwilligung des
Herzogs Hajmo, welcher ihn öfters besuchte, denselben zu verlassen,
um auf diese Weise zu entgehen dem Andränge der Menschen und
der Gefahr, in weltliche Angelegenheiten verwickelt zu werden, sowie
dcn lauten Lobeserhebungen, die sein dcmüthiger Sinn nicht ertragen
mochte. Begleitet von dem Herzoge ging er tiefer in die Einöde
hinein, übersetzte den Fluß Huautia (la Canche) und ließ sich nie-
der an einem Orte, der Runiakus hieß. Da baute er für nch eine
Zelle, und ein Kirchlein zu Ehren des heiligen Martinus. Nach
dreizehn, Jahren begab er sich weiter in eine große Wüste am Meere,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen