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134 Dcr heilige Arbogast, Bischof.
man erzählt viele wunderbare Heilungen, die auf die Fürbitte des
heiligen Arbogasts geschehen seyn sollen. -—
Um das Jahr 670 wurde der heilige Arbogast zum Bischöfe
in Straßdurg erwählt. Mit Weisheit und mit Liebe regierte er die
seiner Sorge anvertraute Hcerde und leuchtete derselben vor als Mu-
ster vollkommener Gottseligkeit. Er steuerte mit muthvollcm Eifer
manchen Mißbräuchen, die unter seinem gläubigen Volke, und zer-
störte viele Ueberbleibsel, die vom Heidcnthume noch übrig waren.
Gleich Anfangs seines bischöflichen Amtes wurde er von Gott mit
einer wunderbaren Erhö'rung seines Gebethes auf eine glänzende
Weise begnadigt. Als die Jäger des Königs Dagobert eines TageS
auf die Jagd gingen, nahmen sie mit sich den Sohn desselben, der
Siegcbert hieß. Dieser, obgleich noch ein zarter Knabe, war, wie
die andern Jäger, zu Pferde. Die Jäger zerstreuten sich im Jagd-
getümmel; ließen den königlichen Prinzen außer Acht, und allein auf
einem Platze. Ein wilder Eber rannte herzu auf das Pferd, auf
dem Siegebert saß. Das Pferd ward scheu, dcr Knabe vermochte
nicht, es zu zahmen, und endlich auch nicht mehr auf demselben sich
festzuhalten. Er fiel herunter, verwickelte sich in den Zügel, wurde
von dem schnaubenden Thiere eine Strecke weit geschleift und todt-
lich verwundet. Dadurch ward die lärmende Freude der Jagd plötz-
lich in eine dumpfe Stille verwandelt. Die Traucrpost von dem
Unglücke des Prinzen verbreitete sich sehr schnell in dcr ganzen Ge-
gend umher, und erregte eine allgemeine Bestürzung. Der Schmerz
des Königs war unbeschreiblich, und gränzenlos der Jammer dcr
Königin. Beide erhoben ein lautes Geschrei, als ihr Kind halbtodt
in den Palast gebracht wurde. Der Anblick desselben durchbohrte
ihr Herz. Es wurde Alles angewendet, den Prinzen zu retten, aber
vergeblich; denn er starb in der ersten Nacht nach dem unglücklichen
Sturze. Die königlichen Eltern überließen sich dem tiefsten Schmerze,
und verschmähten alle Tröstung. Da kamen die Hofleute auf den
Entschluß, Abgeordnete an den Bischof Arbogast zu senden, mit der
Bitte, daß er in den königlichen Palast komme, und durch die Trö-
stungen der heiligen Religion den tiefen Schmerz lindere. Die Trauer-
botschaft setzte auch den Bischof in große Bestürzung. Er vergoß
Thränen aus Mitleiden gegen die königlichen Eltern, die er herzlich
liebte, und aus Bckümmerniß für das Wohl des Reiches, welches
durch den Tod des Prinzen, des einzigen, sehr hoffnungsvollen
Thronerben beraubt war. Er machte sich auf und eilte dem könig:
lichen Palaste zu, anbethend die Fügung Gottes und stehend zu dem
Herrn, daß er lindernde Tröstung Eingang finden lasse in den Her-
zen des Königs und der Königin. Als er nicht mehr ferne von dem
königlichen Palaste war, wurde seine Ankunft dem Könige angezeigt.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen