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Am 21. Jul i . 155
Dieser ging dem ehrwürdigen Greise mit entblößtem Haupte entgel
gen, begleitet von seinen Dienern, die, wie er selbst Thränen ver-
goßen. Der König und der Bischof wollten einander den Gruß ge-
ben, keiner aber vermochte auch nur ein Wort hervorzubringen. Un-
ter Thränen und Seufzern umarmten und küßten sie sich. Darauf
gingen sie in stummer Trauer in die königliche Wohnung, wo unter
einem Strome von Thränen die Königin dem heiligen Bischöfe sich
zu Füßen warf, und ihn mit gläubigem Vertrauen um ihren Sohn
bat. Der Bischof hob sie von der Erde auf, begab sich, ohne eine
Erquickung zu sich zu nehmen, in die Kirche, und verharrete in der-
selben die ganze Nacht hindurch im Gebethe, und in frommen Seuf-
zern zu Gott. Sobalo die Morgendämmerung anbrach, ging er mit
leisen Schritten zu dem Gemache, in dem die Leiche lag. Da hieß
er die Wächter hinausgehen, warf sich auf die Kniee und sichte zu
Gott durch die Fürbitte der Mutter Gottes um das Leben des Prin-
zen. Gott erhörte das Gebeth des Glaubens. Der Todte erwachte
wie aus einem tiefen Schlaf, und kehrte in's Leben zurück. Gott
preisend rief Arbogast einige Diener, die dem Nculcbendigen das
Leichengewand abnehmen, und seine gewöhnliche Kleider anziehen
mußten. Wie ein Blitz fuhr der Freudenruf: „Der Prinz lebt!"
durch den königlichen Palast, der mit lautem Jubel erfüllt wurde.
Der König hatte in seiner tiefen Trauer die ganze Nacht schlaflos
auf seinem Lager zugebracht. Erst gegen Morgen wurden seine Au-
gen durch einen wohlthätigen Schlummer geschlossen. Aus diesem
ward er plötzlich aufgeschreckt durch das Freudengcschrci, das im
ganzen Palaste ertönte. Er sprang von seinem Lager auf, und ward
vor freudigem Erstaunen wie außer sich, als er vernahm, sein Sohn
lebe. Von gleichem Staunen und von gleicher Freude wurde die
Königin ergriffen, welche dem heiligen Bischof zu Füßen siel, und
durch Thränen ihren Dank bezeigte/ denn sprechen ließ sie das Uc-
vermaaß der Freude nicht. Im königlichen Palaste und in der gan-
zen umliegenden Gegend ward jetzt der Jubel allgemein, und allge-
mein die Lobpreisung Gottes, der durch seinen Knecht ein so herrli-
ches Wunder gewirkct hatte. Nachdem die ersten Ausbrüche der
Freude vorüber waren, berathschlagten sich der König und die Kö-
nigin, wie sie sich dankbar gegen den frommen Bischof beweisen
wollten. Sie boten ihm Silber und Gold und andere Kostbarkeiten
an. Er aber verweigerte standhaft jede Gabe, nur überließ er es
dem gottseligen Sinne des Königs und der Königin, ob sie die Ein-
künfte der Muttcrgotteskirchl, welche jetzt das herrliche Münster in
Straßburg ist, durch eine fromme Stiftung vermehren wollten. Da-
gobert und seine Gemahlin stimmten freudig in die Wünsche des
Bischofs ein, und schenkten der Kirche das Städtchen Ruffach im
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen