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156 Der heilige Arbogast, Bischof.
Obcrclsaß, mit allen dazu gehörigen Besitzungen, unter denen sich
das königliche Schloß Eisenburg befand. Die Schenkungsurkunde
wurde auf der Stelle ausgefertigt, und dem Arbogast übergeben,
der sie nach seiner Zurückkunst nach Straßburg, in Gegenwart der
Geistlichkeit und des Volkes, der Kirche öffentlich übergab, indcm er
sie auf eine feierliche Weise auf den Muttergottesaltar niederlegte.
Der Ort, an welchem der königliche Prinz verunglückt war, erhielt
den Namen Ebcrsheimmünstcr.
Der heilige Arbogast lebte nach dieser Begebenheit noch acht
Jahre, und hörte nicht auf, für das Heil der Glaubigen zu wirken,
mit Weisheit und mit Eifer bis zu seinem Tode, der im Jahre 078
erfolgt ist. Sein Leichnam wurde außer der Stadt auf einer kleinen
Anhöhe (der Michaelsberg genannt, der jetzt inner den Mauern der
Stadt Straßburg liegt) nicht ferne von dem öffentlichen Richtplatze
begraben. So hatte es der fromme Diener Gottes selbst angeord-
net, aus Demuth, und aus Liebe zu seinem gekreuzigten Meister und
Erlöser, der außer der Stadt Jerusalem auf Golgatha sein Leben
für das Heil der Menschen opferte.
Denken wir an den so unvermuthcten Tod des königlichen
Prinzen, so sollen wir beherzigen, daß auch wir in keiner Stunde
vor dem Tode sicher sind. „Christ! Schnell, schnell wird es mit
dir hieniedcn geschehen seyn. Darum dringe jetzt darauf, daß du
ein anderer Mensch werdest. Denn sich! Heute noch ist der Mensch,
und Morgen ist er nicht mehr. Und ist er einmal aus den Augen,
so ist er auch schnell aus dem Andenken der Menschen hinweg. Wie
ist doch der Sinn des Menschen so hart und stumpf, daß er nicht
hinausblickt auf die Zukunft, und immer so fest an der Gegenwart
hängen kann! Alles, was du denkest und thust, soll so gedacht und
gethan werden, als wenn du heute noch sterben müßtest. Wenn du
wirklich ein gutes Gewissen hättest, so würdest du vor dem Tode
nicht sonderlich zittern. Immer besser, die Sünde meiden, als den
Tod fürchten. Und, wenn du Heute nicht bereit bist, wie wirst du
es Morgen seyn? Der morgige Tag ist ein ungewisser Tag, und
wir Alle wissen nicht, ob du ihn erleben werdest. In der Morgen-
stunde rechne daraus, daß du vielleicht die Abendstunde nicht mehr
erleben werdest, und wenn die Abendstunde da ist, so versprich dirs
ja nicht, daß du die Morgenstunde erleben werdest. So sey denn
immer bereitet, und lebe so, daß dich der Tod nicht unbereitet fin-
den kann" u. s. w.
Nachfolge Christi.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen