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Der heilige Leodegar, Bischof und Märtyrer.
(Am 2. Oktober.)
Der heilige Leodegar war entsprossen aus einem der vornehm-
sten Geschlechter Galliens und geboren um das Jahr 616. In frü-
her Jugend schon kam er an den Hof des Königs Clotar I I . , der
ihn dem Bischöfe zu Poiticrs, der Dodo hieß, und dessen Anver-
wandtcr war, übergab, auf daß er die Erziehung und den Unterricht
des hoffnungsvollen Knaben leite. Der Bischof bestimmte einen Prie-
ster seiner Kirche, der eben so gottesfürchtig als gelehrt war, zum
Lchccr des jungen Leodegar, der den sorgfältigen Bemühungen sei-
nes Führers vollkommen entsprach. Nach einigen Jahren, nachdem
Leodegar in den Wissenschaften sowohl, als in der Tugend die schön-
sten Fortschritte gemacht hatte, nahm ihn der Bischof zu sich, um
ihn unter seiner unmittelbaren Aufsicht und Leitung zu dem geistli-
chen Stande vorzubereiten. Er weihte ihn, als er zwanzig Jahre
alt war, zum Diakon, und bestimmte ihn bald darauf zum Erzdia:
kon seiner Kirche. Leodegar verband mit der Wohlgestalt seines Lei-
bes viele Klugheit, große Beredtsamkeit, und eine Bescheidenheit und
Sanftmuth, die ihm die Freundschaft Aller erwarben, mit denen er
in Verbindung kam. Die Reinigkeit der Sitten, seine Frömmigkeit,
und sein ernsthaftes Wesen vermochten den Bischof Dodo, ihm einen
großen Theil der bischöflichen Amtsverwaltung anzuvertrauen, und
einige Jahre später, nach dem Tode des Abtes Marcntius, die Re-
gierung des Klosters zu St. Mairant zu übergeben. Sechs Jahre
stand er diesem Kloster vor mit Weisheit und mit Liebe.
Um das Jahr 657 starb Fcrreolus, der Bischof zu Autun.
Zwei ganze Jahre war die Kirche von Autun verwaist, und durch
den Zwiespalt zweier Parteien in die bett'übtcste Lage versetzt. Um
diese Zeit kam der Ruf der vortrefflichen Eigenschaften des heiligen
Leodegar an den Hof Clotars I I I . Der König und seine Mutter,
die heilige Batildis, wünschten ihn bei sich zu haben, und wandten
sich deßhalb an den Bischof von Poiticrs. Leodegar folgte dem
Rufe des Bischofs, den er als seinen Vater verehrte, kam an den
Hof und gewann da die Herzen Aller, zumal des Königs und der
königlichen Mutter Batildis. Diese wünschte den gottcsfürchtigcn
Mann für immer am Hofe zu behalten; allein der traurige Zustand
der Kirche zu Autun besiegte ihren Wunsch. Sie schlug den Leode-
gar zum Bischöfe jener Kirche vor. Freudig stimmten der König
und seine Minister diesem Vorschlage bei, in der vollen Erwartung,
daß Leodegar vor vielen Andern geeignet sey, die traurige Spaltung
zu heben. Diese Erwartung täuschte sie nicht. Leodegar bestieg den
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen