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158 Der heilige Leodegar, Bischof und Märtyrer.
bischöflichen Stuhl, besänftigte durch Weisheit, durch Sanftmuth und
durch Liebe die tobenden Gemüther, und verschaffte der Kirche zu
Autun bald wieder jenes glänzende Ansehen, welches sie früher unter
ihren besten Hirten gehabt hatte. Mit apostolischer Treue verwal-
tete er alle Zweige dcs bischöflichen Aintcs. Zehn Jahre lang hatte
Leodegar seine Kirche in Ruhe regiert, als die Unruhen des Staates
ihn Drangsalen aussetzten, d!e kein Ende mchr nahmen, und ihm
nach unzähligen Qualen einen Tod verursachten, der mit Recht ein
Martcrtod genannt wird, weil er eine der heiligsten Pflichten, die
Treue gegen den Landcsfürstcn, zum Grunde hatte. Im Jahre (!69
starb der König Clotar. Der größere Theil der Mächtigen des Rei-
ches erklärte seinen Bruder Childcrich I I . , der schon in Austrasicn
herrschte, zum Könige über alle Staaten Galliens. Ebroin aber,
welcher Major Domus, oder Obersthofmeister des verstorbenen Clo-
tar gewesen, und zugleich mit Batildis die Vormundschaft über ihn
geführt hatte, ein Mann von großen Talenten, aber auch von gro-
ßer Verkehrtheit des Herzens, begünstigte einen andern Bruder Clo-
tars, den Theuderich, welchen er auf den Thron von Neustrien und
Burgund setzte. Sehr bald aber ward Theuderich durch die uner-
sättliche Geldgicrde, und durch die Grausamkeiten seines Ministers
Ebroin so verhaßt, daß ihm das Haupt geschoren, und er in das
Kloster St. Denis eingesperrt wurde. Ebroin hatte den bittersten
Haß auf Lcodegar geworfen, weil der eifrige Bischof seiner Grau-
samkeit und seinen Geldcrprcffungen sich kräftig widersetzt, und weil
er für den König Childerich gestimmt hatte. Und doch war es ge-
rade dieser edelmüthige Bischof, dessen Vermittlung er, da Theude,
rich vom Throne gestoßen wurde, die Erhaltung seines Lebens ganz
vorzüglich zu verdanken hatte. Ebroin mußte es sich noch zur Gnade
rechnen, daß er ins Kloster Lureul sich zurückziehen durfte.
Der heilige Leodegar stand anfänglich bei dem Könige Childc-
nch in so großem Ansehen, daß dieser ihm sein volles Vertrauen
schenkte, und die wichtigsten Geschäfte übertrug. Dadurch ward aber
der Neid der Höflinge erregt, der um so schneller in bittern Haß
sich verwandelte, je eifriger Jener bemüht war, die schlechten Sitten
des Hofes zu verbessern, und auch den jungen König auf dem Wege
der Gerechtigkeit zu leiten. Durch Schmeicheleien, durch arglistige
Ränke, und durch erdichtete Anklagen erregten sie in dem unsteten
Gemüthe des Königs gegen Lcodcgar Mißtrauen, welches sie nach
und nach zu einer solchen Bitterkeit anfachten, daß Childcrich den
Entschluß faßte, ihn todten zu lassen. Den dringenden Vorstellun-
gen einiger rechtschaffener Männer gelang es jedoch, diesen unseligen
Entschluß dahin abzuändern, daß der Bischof, der immer uncrschüt-
tcrten und frohen Muth behielt, in das Kloster Luxeul verbannt
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen