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Am 2. Oktober. 159
wurde. Da söhnte sich Ebroin mit dem gotteöfürchtigcn Manne
aus; aber nicht von Herzen, sondern nach dem Scheine nur, wie
wir bald hören werden. Der König siel jetzt in die Hände schliml
mer Rathgcber. Er überließ sich den rohestcn Ausschweifungen, und
seine Regierung ward nun so verhaßt, als sie vorher, da er sich
von dem weisen und frommen Bischöfe leiten ließ, gesegnet war.
Am Hofe selbst erhob sich gegen ihn eine Verschwörung. Er, seine
Gemahlin Bilichildis, und ihr Sohn Dagobert wurden nicht ferne
von der Stadt Paris ermordet im Jahre 673. Childerich war erst
23 Jahre alt. Nach seinem Tode erhoben sich fürchterliche Unruhen
in Frankreich, indem die eine Partei Diesen, die andere einen An:
dcrn auf den königlichen Thron zu erheben, und auf demselben zu
schützen suchte. Theuderich trat aus dem Kloster St. Dcnis, und
wurde zum König von Neustricn ausgerufen. Dagobert, der Sohn
Siegeberts I I . , dessen in der Geschichte des heiligen Arbogasts er-
wähnt worden ist, wurde aus Irland, wohin er sich, nachdem sein
Vater ermordet worden war, geflüchtet hatte, zurückberufen und auf
den königlichen Thron in Austrasien erhoben.
In dieser stürmevollen Zeit wurden mehrere heilige Bischöfe ge-
tödtet. Einer besondern göttlichen Fügung muß es zugeschrieben
werden, daß das Leben des heiligen Leodcgar noch einige Zeit er-
halten wurde. Kurz vor seinem Tode hatte Childerich zwei Kriegs-
männer nach Lurcul abgeschickt, die ihn zu ihm bringen sollten.
Denn auf's Neue ward seine Erbitterung aufgereizt, und er wollte
ihn todten. Ein Begleiter der erwähnten Kricgsmänner nährte in
seinem Herzen den abscheulichen Anschlag, dem Leodegar, sobald ei
aus dem Kloster herausgetreten seyn würde, meuchelmö'rdcrischer Weise
den Kopf abzuschlagen. Als er aber den tödtlichcn Streich führen
wollte, ward er plötzlich von Schrecken ergriffen, und erfüllt mit
Ehrfurcht gegen den heiligen Mann, zu dessen Füßen er sich hinwarf,
offenbarend seine frevelnde That, und um Vergebung derselben ste-
hend. Ganz unvcrmuthet verbreitete sich die Kunde von dem Tode
Childerichs, und die Führer und Wächter Leodegars warfen sich jetzt
zu dessen Beschützer auf, und führten in zu seiner Kirche nach Au-
tun. Ebroin verließ auch das Kloster Luxeul, verschaffte sich einen,
ihm ähnlichen, Anhang, suchte den Lcodegar einzuholen, in der Ab-
sicht, ihn zu todten; uneingedenk des Schwurs, durch den er sich
im Kloster zu einer fortwährenden Freundschaft verbunden hatte.
Ebroins schwarzes Ansinnen wurde aber durch den heiligen Gene-
sius, den Erzbischof von Lyon, der mit bewaffneter Mannschaft ihn
begleitete, vereitelt. Ebroin sah sich zu schwach, verheimlichte seinen
frevelnden Anschlag, heuchelte Freundschaft, und begleitete nun auch
selbst den Leodegar nach Autun, wo dieser mit unbeschreiblichem Iu :
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen