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Am 2. Oktober. 16 l
Dabei betheuerte der lasterhafte Mann mit einem Schwüre, daß
Theuderich nicht mehr lebe, um so die Bewohner der Stadt zu 'täu-
schen. Als Leodegar diese Erklärung vernommen hatte, sagte er
laut, daß er lieber sterben, als gegen den rechtmäßigen König eid-
brüchig werden wolle, und dazu ermähnte er auch seine Gläubigen.
Die Feinde machten neuerdings einen heftigen Anfall auf die Stadt.
Leodcgor ging in die Kirche, empfing die heilige Communion, nahm
Abschied von den Brüdern, eilte dem Stadtthore zu, und lieferte
sich selbst seinen Feinden aus. Auf der Stelle wurden ihm die Au:
gen ausgestochen. Während der fürchterlichen Qual bethete er Psal-
men, ohne ein Zeichen des Lebens von sich zu geben.
Vaimar führte den heiligen Leodegar mit sich nach Champagne.
Ebroin befahl, den geblendeten Bischof in einen tiefen Wald zu füh-
ren , ihn da erhungern zu lassen, und dann auszusprengen, er sey
in's Wasser gefallen und ertrunken. Lange Zeit erduldete dieser den
quälendsten Hunger. Dann aber wurde der Herzog von Mitleid
bewogen, ihn zu sich zu nehmen und sein Leben zu retten. Nicht
lange nachher wurde er in ein Kloster geführt, wo er zwei Jahre
blieb. Mittlerweile gelang es dem Ebroin, die Würde des Major:
domus am Hofe des Theuderichs an sich zu reißen, und nun stieg
aus seinem dösen Herzen die Rachsucht gegen den heiligen Leodegar
auf's Neue in fürchterliche Flammen empor. Er beschuldigte ihn,
und dessen Bruder Gairinus (Querinus) des Mordes, der an dem
König Childcrich verübt worden war. Beide wurden vor den Kö-
nig gebracht. Da warf ihnen Ebroin in roher Wuth den Mord
vor. Leodegar aber sagte ihm ganz unerschrocken: „Du überhebst
dich so sehr in deinem Stolze, daß du in ganz Frankreich Niemand
in gleichem Range ertragen kannst; bald aber wirst du deine Würde,
deren du unwürdig bist, verlieren." Ohne weitere Umstände ließ
Ebroin die beiden Brüder von einander absondern auf der Stelle
den Gairinus aufknüpfen, und mit Steinen zu todt werfen. Der
Sterbende rief: „Herr Jesu, der Du nicht gekommen bist, die Ge-
rechten zu berufen, sondern die Sünder, nimm auf die Seele Deines
Dieners, den Du eines Todes, der dem Martertode ähnlich ist, ge-
würdiget hast!"
Leodegars Feinde getrauten sich nicht das Todesurtheil über
ihn zu sprechen, weil er des bischöflichen Amtes noch nicht förmlich
entsetzt war. Er wurde aber weggeführt, und durch ein Waffer ge-
schleppt, wo seine Füße an spitzigen Steinen zerrissen wurden. Dar-
auf schnitt man ihm die Lippen weg und die Zunge aus, in der
Erwartung, daß man ihn zur Verzweiflung bringe. Dann riß man
ihm die Kleider vom Leibe, und schleifte ihn durch den Koth der
Straße. Endlich wurde er auf ein mageres Pferd gesetzt, und dem
Zwcitel Band, 1l
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen