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Am 17. September. - 171
ung und zum glänzendsten Vorbilde ward. Vergessend seiner hohen
Würde, unterwarf er sich in Demuth den Borschriften des Abtes,
als wäre er einer der niedrigsten Brüder. Im Klosterhofe war ein
Kreuz aufgestellt, zu welchem von dcm Abte diejenigen hingeschickt
wurden, welche einen Fehler begangen hatten. Da sollten sie den-
selben bereuen, und mußten im Gebethe verharren eine kürzere oder
längere Zeit nach der Beschaffenheit des Fehlers. Lambert stand
sehr oft in der Nacht auf, ging insgeheim zum Kreuze, da zu be-
then, und die Leiden des Heilandes in frommer Liebe zu betrachten.
Als er in einer Nacht aufstand, und sich ankleiden wollte, siel einer
seiner Schuhe auf den Boden. Der Abt hörte das Getöse, ohne
jedoch zu wissen, wer es gemacht habe. Er rief, der, welcher es
veranlaßt habe, solle zum Kreuze gehen. Lambert vollzog, wie er
stand, nur mit dem rauhen Unterkleide angethan, ohne Fuß- und
Kopfbedeckung augenblicklich den Befehl, ging zum Kreuze, und ver-
harrte bei demselben bis am Morgen, willig duldend die starrende
Kälte, und nicht achtend den Schnee, der häufig siel, und sein blo-
ßes Haupt und seinen Leib bedeckte. Einige Brüder sahen ihn am
Morgen, als sie aus dem Chöre kamen, beim Kreuze. Sie zeigten
es dem Abte an. Dieser erschrack, ließ ihn unverwcilt hereinführen,
und bat ihn um Vergebung. Lambert aber sagte voll Demuth: er
habe diese Strafe durch das verursachte Getöse verdient.
Im Jahre 681 wurde Ebroin umgebracht, und Wrado trat
an dessen Stelle als Obcrsthofmeister bei dem König Theuderich.
Pipin von Heristal war um diese Zeit der Anführer der Austrasicr,
die bis daher eine feindliche Stellung gegen den König Theuderich
behauptet hatten. ES ward Friede gemacht. Die Austrasier erkann-
ten den Theuderich als ihren König, und Pipin wurde zum Major«
domus über Austrasien bestellt. Er nahm sich mit großem Eifer der
bedrängten Kirchen an, rief die verbannten Bischöfe zurück, und setzte
sie auf ihre bischöflichen Stühle. Nach siebenjähriger Verbannung
wurde nun auch der heilige Lambert seiner Kirche zu Mastricht wie-
der gegeben. Eben so groß als allgemein war der Jubel, mit dem
er von seiner gläubigen Heerde empfangen wurde. Während seiner
Abwesenheit hatten sich viele Mißbräuche eingeschlichen. Mit uner-
schütterlichem Muthe griff er dieselben an, um ihnen zu steuern,
standhaft bekämpfend den Widerstand der Verirrten, und willig dul-
dend die Lästerung der Gottlosen. Sein apostolischer Eifer beschränkte
sich nicht bloß auf den bischöflichen Sprengel von Mastricht, sondern
beglückte mit dcm Lichte des Evangeliums auch dic Torandricr, ein
Volk, welches nördlich von Mastricht, zwiscken der Maaß, dem äu-
ßersten Theil der Schelte und den beiden Flüssen Demer und Lhar
wohnte, und noch ganz in der Finsterniß des Heidcnthums steckte.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen