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182 Der heilige Corbinian, Bisckof zu Freising.
zu stärken. Allein Corbinian entschuldigte sich, und wurde von dem
Herzog, reichlich beschenkt, nach Rom entlasten. Gleiche Anträge
und Geschenke erhielt er von dem Herzoge Grimoald zu Freising.
Er blieb aber auf feinem Vorsätze. Grimoald ließ ihn auf die
ehrenvollste Weise begleiten durch Männer, die ihm bis gegen die
Lombardei folgen sollten. Insgeheim gab er aber diesen den Befehl,
den Etschländern und Vintschgauern aufzutragen, daß sie den Cor-
binian, wenn er von Rom dahin zurück kommen würde, nicht weiter
reisen lasten sollten, so lange er nicht verheiße, an den herzoglichen
Hof nach Freising sich zu begeben.
In Pavia wurde Corbinian von dem longobardischen Könige
Luitbrand gütig aufgenommen, und sehr ehrenvoll behandelt. Er
blieb sieben Tage an dicscm Orte, und ertheilte Unterricht in der
Lehre des Heils. Darauf setzte er, von dem Könige reichlich be-
schcnkt,^und begleitet von Dienern des Königs, scine Reise fort nach
Rom, wo er zuerst die Ruhestätte der heiligen Apostel besuchte, dann
sich zu dem kirchlichen Oberhaupte, dem Papste Gregor i l . , ver-
fügte. ^Diesen bat er dringend, unter Seufzern und Thränen, um
Entlastung vom bischöflichen Amte, und um Gewährung stiller Ein-
samkeit. Der heilige Vater, durch diesen Antrag sehr befremdet,
zog mehrere große Männer zu Rath, deren Gutachten dahin ging,
es sey vermöge der alten Kirchensatzungen und der Lehre der heiligen
Väter nicht räthlich, den Corbinian seines Amtes zu entlasten; die
Demuth sey eben das beste Mittel, zur Förderung des Heils der
Seelen den Segen Gottes zu erlangen, besonders da Corbinian mit
den schönsten Gaben, in seinem Amte Großes zu wirken, von Gott
begnadiget sey. Der Heilige bckam demnach von dem Papste den
Befehl, seinen bisherigen Eifer in der Scelensorge fortzusetzen, die
übrigen Sorgen aber dem lieben Gott zu empfehlen. Er ergab
sich in den Willen Gottes, empfing, den päpstlichen Segen, und
reiste von Rom ab. Auf der Reise vernahm. Corbinian, daß der
Herzog Grimoald sich mit Piltrudis, seines verstorbenen Bruders
Theobalds Wittwe vermählt habe. Bevor er noch zu dem Palaste
des Herzogs kam, ließ er diesem melden, er könne bei ihm nicht
erscheinen, so lange er nicht die unrechtmäßig sich beigelegte Frau
entlaste. Durch diese Erklärung ward Grimoald sehr betroffen, und
noch mehr die Piltrudis. Grimoald sah wohl ein, daß er den Cor-
binian , oder jene Frau entbehren müsse. Eincs fiel ihm so uner-
träglich als das Andere. Piltrudis zürnte sehr auf den Heiligen,
und sann auf Mittel, seiner auf immer los zu werden. Corbinian
sah die Gefahr, beharrete aber fest, als ein zweiter Johannes, auf
der Erklärung, welche er dem Herzoge wiederholen ließ: „Es ist dir
nicht erlaubt, das Weib deines Bruders zu haben." Er fuhr fort,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen