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Der heilige Stephanus, Abt und Märtyrer.
(Am 28. November.)
Der Kaiser Leo setzte, nach Verstoßung des heiligen Germanus,
seine Wuth gegen die Bilder, und gegen die Verehrer derselben um
so unaufhaltsamer fort, je eifriger er von dem Afterpatriarchen Ana-
stasius in seinem Frevel unterstützt wurde. In dem Vorhose des
großen Palastes zu Constantinopel war ein Bi ld, welches den Hei:
land am Kreuze vorstellte, und sehr hoch verehrt wurde. Leo schickte
seinen Stallmeister Iovinus zu demselben hin, damit er es herunter-
nehme und zerbreche. Einige Weibspersonen, die zugegen waren,
bemühten sich vergebens, den Stallmeister davon abzuhalten. Er
legte eine Leiter an, stieg hinauf, und versetzte drei Hiebe in das
Angesicht des abgebildeten Heilandes. Die Weibspersonen ließen
sich von der Uebermacht ihres Unwilles verleiten, die Leiter wegzu-
ziehen. Iovinus stürzte aus die Erde und starb. Die Weiber wur-
den, mit noch zehn andern, zum Tode verurtheilt.
Leo, selbst roh und unwissend, war aller bessern Bildung und
den Wissenschaften abhold, und verfolgte deßhalb vor Allem solche
Männer, die ihrer Einsicht wegen berühmt waren. Seine Vorfah-
ren hatten nahe an ihrem Palaste eine Bibliothek errichtet, die nach
und nach bis auf 30,000 Bücher angewachsen war. Der Aufseher
der Bibliothek hatte zehn Andere unter sich, welche die Wissenschaft
der Religion und andere Wissenschaften unentgeldlich lehrten. Die
größten Kaiser hatten sich bei diesen Männern in wichtigen Angele-
genheiten Raths erholt. Leo bemühte sich, sie auf seine Seite ge-
gen die Verehrung der Bilder zu bringen. Da er seine Bemühung,
seine Verheißungen und seine Drohungen fruchtlos sah, ließ er in
seiner Erbitterung das Bibliothekgebäude mit dürrem Holze umge-
ben, und selbes sammt den Büchern, und Denen, die sie bewahrten,
verbrennen. Darauf befahl er, daß alle Einwohner von Constanti-
nopel alle Bildnisse Jesu Christi, der göttlichen Mutter, und der
Heiligen ausliefern sollten, damit sie öffentlich verbrannt würden,
und daß alle Malereien in den Kirchen mit Kalk ausgelöscht werden.
Viele, welche sich weigerten, zu gehorchen, wurden grausam verstüm-
melt und viele getödtet. So wie in der Hauptstadt, wurde auch
an allen andern Orten gegen die Bilder und Bilderverehrcr verfah-
ren; ja selbst nach Italien gab der unmenschliche Kaiser seine grau-
samen Befehle an alle Völker, die dem griechischen Kaiserthum un-
terworfen waren. Allein diese Völker empörten sich, warfen die Ab-
bildungen eines Kaisers, welcher die Abbildung Jesu Christi nicht
schonte, zu Boden, und traten sie mit Füßen. Der Papst Gregor
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen